"Bruchpilot" Haupt hegt keinen Groll

27. Oktober 2003, 19:08
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Haider legt Sieben-Punkte-Forderungskatalog an die Regierung vor

Klagenfurt/St. Kanzian - "Ja, wir sind halt zwei Bruchpiloten", scherzte Sozialminister Herbert Haupt mit dem Bürgermeister von Bad Kleinkirchheim, der vor kurzem einen Flugzeugabsturz überlebt hat. Jörg Haider, offenbar geblendet vom Blitzlichtgewitter, hatte den verdutzten Ex-vizekanzler und Noch-Parteichef im Foyer des St. Kanzianer Veranstaltungszentrums einfach übersehen. So wie viele Delegierte des Kärntner FPÖ-Parteitags übrigens auch.

Nein, er hege keinen Groll. Er sei hier als "einfacher Bezirksobmann von Spittal an der Drau". Das sei doch auch etwas. Als "Zerrissener", wie ihn Haider bezeichnete, habe er sich in seiner Doppelfunktion nie empfunden, sagte er zum STANDARD. Doch jetzt ist Haupt "froh, dass ich mich wieder ganz dem Sozialministerium widmen kann".

Im Parteitagssaal wirft ihm Haider Rosen nach. Ohne den Herbert hätte man diese schwierige Phase nicht geschafft. Langer, heftiger Applaus. "Er war vielleicht zu väterlich, zu ausgleichend", meint ein Delegierter: "Wir müssen mehr Profil zeigen."

Haupt weiß, was er der wiedergefundenen Parteiräson schuldet, gesteht in seiner Rede Fehler ein und appelliert wie seine "Nachfolgerin" Ursula Haubner an die Geschlossenheit der Partei.

Jörg Haider selbst gibt sich sanftmütig. Obwohl es sich hier um den inoffiziellen Auftakt zum Kärntner Wahlkampf handelt, fällt kein negatives Wort über die ÖVP. Angriffsziel sind die "roten Raunzer", die alles bremsen. Haider will ja wieder Landeshauptmann werden. Sogar am verfemten Finanzminister Grasser will Haider, immerhin Chefverhandler für die Steuerreform, den "gemeinsamen Stallgeruch" wieder erkennen.

Die Wiederwahl von Martin Strutz als Kärntner FPÖ-Chef verlief ohne Pannen: 80,2 Prozent stimmten für ihn.

Tags darauf, am Sonntag, legt Haider doch noch nach und präsentiert einen Sieben-Punkte-Forderungskatalog an die Bundesregierung. Die ÖVP wird darin um "Verlässlichkeit und Ehrlichkeit" ersucht. Neuerlich moniert Haider Steuererleichterungen für die Masseneinkommen schon 2004. Weiters fordert er die Umsetzung der Nachtdienst-Schwerarbeiter-Regelung, die es ermöglichen soll, schon mit 55 ohne Abstriche in Pension zu gehen. Ebenso auf der Wunschliste: Nachmittagsunterricht, Verschärfung des Asylgesetzes sowie die bundesweite Übernahme seines Kärntner Pflegemodells. (Elisabeth Steiner/DER STANDARD, Printausgabe, 27.10.2003)

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