Grüne Starmania

24. Oktober 2003, 20:07
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Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen dringend gesucht - von Peter Mayr

Wer jung und weiblich ist, sollte sich schleunigst bei den Grünen melden. Ein bisschen Prominenz schadet sicher auch nicht. Eine Kandidatin für die Präsidentschaftswahlen 2004 wird auf jeden Fall dringend gesucht. Dafür hat man sich offenbar dem Gebot der Transparenz verschrieben. Mögliche Kandidatinnen werden - quasi öffentlich - abgetestet. Was bisher SpezialistInnen für teures Geld vorbehalten war, sollen nun wohl die BürgerInnen erledigen. Man spielt grüne Starmania.

Testfall eins ist Vizeparteichefin Eva Glawischnig. Die Kärntnerin fühlt sich Anfangs sichtlich geschmeichelt, letztlich hält sich ihre Lust auf einen Präsidentschaftswahlkampf aber in Grenzen. Und sie bleibt in dieser Frage der Linie der Grünen treu - nämlich keine zu haben: Noch im Juni kann sie sich vorstellen, einen möglichen SP-Kandidaten Heinz Fischer zu unterstützen. Mitte Oktober will sie den Bundespräsidenten entmachtet wissen. Er solle nicht mehr den Bundeskanzler ernennen dürfen oder den Nationalrat auflösen können.

Was Wunder, dass sie nicht in die Hofburg will. Außerdem hätte sie viel zu verlieren. Bei einem schlechten Wahlergebnis muss sie fürchten, dass ihre Parteikarriere ins Stocken gerät. Und vom Vize zum Chef der Grünen ist es vielleicht auch nur noch eine Frage der Geduld. Warum also etwas riskieren?

Für den zweiten Fall sorgt Bundessprecher Alexander Van der Bellen höchstselbst. Er zerrt die Wiener Kommunalpolitikerin Maria Vassilakou an die Öffentlichkeit. Man darf rätseln, warum. Denn als mögliche Kandidatin wurde sie intern schon länger gehandelt. Die nun erfolgte frühe Nennung ist wenig dienlich. Nach dem Rauchen wäre es vielleicht für Parteichef Van der Bellen an der Zeit, eine andere Eigenheit aufzugeben: das öffentliche Nachdenken. (DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.10.2003)

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