Britisches Schienennetz wieder staatlich

29. Oktober 2003, 16:58
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Network Rail übernimmt sämtliche Wartungsarbeiten

London - Nach einer Serie schwerer Bahnunglücke in Großbritannien liegt die Wartung des britischen Schienennetzes künftig nicht mehr in privater Hand. Das wurde am Freitag entschieden.

Die von der Regierung kontrollierte Gesellschaft Network Rail übernimmt sämtliche Wartungsverträge. Es handle sich um die bedeutendste Restrukturierung der britischen Eisenbahn seit 1994, hieß es weiter.

Privatisierung 1996

British Rail war 1996 privatisiert worden. Die Wartung des Schienennetzes lag zuletzt in der Verantwortung von sieben Privatfirmen. Das Gesamtgeschäftsvolumen der Wartungsaufträge lag im vergangenen Jahr bei 1,2 Mrd. Pfund (1,74 Mrd.Euro).

Network Rail, das gegenwärtig 14.000 Mitarbeiter hat, wird damit um 18.500 Beschäftigte zulegen. Britische Eisenbahngewerkschaften, seit jeher Gegner der Privatisierung, lobten die Neuerung. Der britische Verkehrsminister Alistair Darling betonte in einem Radiointerview aber, dass es eine Wiederauferstehung der staatlichen British Rail nicht geben werde.

Sechs schwere Unfälle

Seit der Privatisierung der maroden britischen Bahn gab es sechs schwere Unfälle mit insgesamt 60 Toten, deutlich mehr als vorher. Dies hatte die Kritik beflügelt, wonach bei der Privatisierung Sicherheit dem Profit geopfert werde. Die privaten Firmen seien ihren Aktionären verpflichtet gewesen und hätten bei Investitionen gespart. (DER STANDARD Printausgabe, 25./26.10.2003,AFP)

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