Durnwalder spricht von Rücktritt

27. Oktober 2003, 07:07
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Bei nur 70.000 Vorzugsstimmen "soll's ein anderer machen" als der amtierende Landeshauptmann

Am Freitag tat sich in Bozen für Südtiroler Verhältnisse Unerhörtes: Landeshauptmann Luis Durnwalder, seit 1989 im Amt und unangefochtener politischer Patron des Landes, sagte einen Satz, der die Lokalpresse ganz außer Rand und Band brachte: "Wenn ich nur 70.000 Vorzugsstimmen bekomme, dann soll's ein anderer machen." So offen habe Durnwalder noch nie mit einem Rückzug aus der Politik kokettiert, hieß es. Zwei Tage vor den Wahlen sei dies ein spektakulärer Versuch, die Menschen für seine Südtiroler Volkspartei (SVP) zu mobilisieren.

Kommenden Sonntag wird in Südtirol ein neuer Landtag gewählt. Knapp 380.000 Stimmberechtigte haben die Auswahl zwischen 13 Listen und über 300 Kandidaten. Große Verschiebungen werden allgemein nicht erwartet. Die einzige Unbekannte vor allem für die SVP ist die Wahlbeteiligung. 1998 lag sie bei knapp 86 Prozent, diesmal schätzen Experten, könnte sie niedriger sein – was vor allem der Volkspartei schaden würde.

"Ob wir es schaffen, noch einmal die Stimmen von 80 Prozent der Deutschsprachigen zu bekommen, ist fraglich", erklärt der Landeshauptmann, der als Zugpferd seiner Partei 1998 über 100.000 Vorzugsstimmen erhalten hat. Diesmal dürften es für ihn noch mehr sein. Seiner SVP dagegen, die das Land seit 1948 mit absoluter Mehrheit regiert, wird nur eine äußerst knappe Absolute prognostiziert.

"Genehme" Italiener gesucht

Fraglich ist auch, wie die neue Landesregierung besetzt werden soll. Die Provinz Bozen muss ihr Regierungsgremium gemäß dem im Autonomiestatut vorgesehenen ethnischen Proporz besetzen. Der italienischen und ladinischen Sprachgruppe stehen eigene Sitze zu. Wenn allerdings die autonomiefeindlichen Kräfte im italienischen Parteienspektrum – Alleanza Nazionale (AN), Forza Italia und der rechte AN-Ableger Unitalia – zulegen, könnte es für die SVP schwierig werden, "genehme" Italiener für die Landesratsposten zu finden.

Eine Koalition mit AN schloss Durnwalder aus. Bei Forza Italia, die im Wahlkampf teilweise noch nationalistischere Töne hören hat lassen, wollte er sich nicht so präzise festlegen. Mit deren führender Rolle in der römischen Regierung habe dies aber nichts zu tun. Er hoffe, dass sich genügend Kandidaten der Mitte-links-Parteien für die Regierung fänden. Ansonsten gäbe es nur die Möglichkeit, die Landesregierung zu verkleinern oder etwa die AN ohne Koalitionsabkommen in die Regierung zu nehmen und ihren Landesräten kein Pouvoir zu geben.

Sonntag wird bis 22 Uhr gewählt, ein Ergebnis gibt es frühestens Montagmittag. (DER STANDARD, Printausgabe, 25.10.2003)

Christoph Prantner aus Bozen
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    Wahlplakate der Südtioler Parteien

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