Elisabeth Scheucher-Stiftung ins Leben gerufen

26. Oktober 2003, 14:25
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Für Kärntner ÖVP-Spitzenkandidatin weder Wahlgang noch Wahlwerbung - FPÖ: "Peinlich" - SPÖ: "Bedenklich"

Klagenfurt - Die Spitzenkandidatin der Kärntner Volkspartei für die Landtagswahl, Elisabeth Scheucher, hat eine nach ihr benannte Stiftung ins Leben gerufen. "Ich sehe das weder als Wahlgag noch als Wahlwerbung", sagte sie am Freitag bei der Präsentation in Klagenfurt. "Die Stiftung ist mein Lebenswerk, ich werde mich dafür unabhängig von meiner politischen Tätigkeit und weit über diese hinaus engagieren."

Sie könne auf etwas aufbauen, betonte die ÖVP-Politikerin. Denn sie habe sich schon als Schülerin sozial engagiert. "Bei meinem Verständnis für Politik steht immer der Mensch im Mittelpunkt", betonte Scheucher. An ihre Mitbewerber richtete sie die Aufforderung, dieser Stiftung beizutreten. Denn sie würde sich wünschen, dass "viele Menschen auf solch eine Wahlwerbung kommen. Die Stiftung ist mir ein persönliches Anliegen."

Die "Elisabeth Scheucher-Stiftung für Kärntnerinnen und Kärntner in Not" wird mit einem Startkapital von 70.000 Euro ausgestattet. Jeweils 10.000 Euro steuern Elisabeth Scheucher und ihr Gatte, der Klagenfurt Bürgermeister Harald Scheucher (V), bei. Der Rest kommt von der Familie und von Freunden. Das Geld soll im Besonderen beeinträchtigten, behinderten und sozial schwachen Kindern, den Opfern von Naturkatastrophen, unverschuldet in Not geratenen sowie bedürftigen alten Menschen zu Gute kommen. "Meine Erfahrung sagt mir: Rasche Hilfe ist doppelte Hilfe", dazu die Initiatorin, denn die öffentlichen Strukturen würden nicht immer greifen.

Elisabeth Scheucher wird den Vorsitzung im Stiftungsvorstand übernehmen. Die weiteren Mitglieder werden der Klagenfurter Alt-Bürgermeister Leopold Guggenberger (V) und der Völkermarkter Notar Reinhard Kern sein. Scheucher kündigte an, sie werde als künftiges Regierungsmitglied in Kärnten ein Jahresgehalt in die Stiftung einfließen lassen.

FPÖ: "Ein an Peinlichkeit nicht zu überbietendes Schauspiel"

Innerhalb der Kärntner FPÖ hat man sich am Freitag "schockiert" über die am selben Tag von der ÖVP-Spitzenkandidatin verkündete "Elisabeth Scheucher-Stiftung" im laufenden Wahlkampf gezeigt. "Ich werte diese Art von Wahlwerbung als ein an Peinlichkeit nicht zu überbietendes Schauspiel", sagte der freiheitliche Landesparteichef Martin Strutz.

Laut Strutz sei es "entwürdigend", zu welchen Mitteln ein politischer Mitbewerber greife, "in der Hoffnung, die eine oder andere Stimme zu ergattern". Er sei in seiner langen Polit-Karriere einiges gewöhnt, aber so etwas habe er noch nicht erlebt, meinte Strutz. "Begrüßenswert" sei lediglich, "dass Frau Scheucher nicht auch noch die angeblich christlich-sozialen Werte ihrer Partei vorschiebt, sondern bei der Präsentation ihrer Stiftung von sich aus das Wort Wahlwerbung in den Mund genommen hat", stellte der FPÖ-Obmann fest.

Trunk: "Bedenklich"

Nach der FPÖ hat am Freitag auch die Kärntner SPÖ-Frauenvorsitzende Abg. Melitta Trunk den Umstand kritisiert, dass ÖVP-Spitzenkandidatin Elisabeth Scheucher im laufenden Wahlkampf eine Stiftung ihres Namens in Leben gerufen hat. "Es ist schlichtweg bedenklich, Gesetzen zuzustimmen, die die Armut vermehren, und gleichzeitig eine Stiftung zu Gunsten der Armen zu gründen", sagte sie.

Trunk wies darauf hin, dass sowohl sie selbst als auch ihre ÖVP-Kollegin Scheucher gewählt worden seien, "um Gesetze zu machen, die soziale Gerechtigkeit bewirken". Dass die ÖVP-FPÖ-Koalition und damit auch die ÖVP-Abgeordnete Scheucher aber genau entgegengesetzt agierten, sei evident. Trunk: "Wenn eine Vertreterin dieser Art von Politik jetzt im Wahlkampf eine Armenstiftung ins Leben ruft, ist das eine Politik der Arroganz", meinte Trunk. (APA)

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