Pflegepersonal fordert Kollektivverträge

29. Oktober 2003, 09:48
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Protestdrohung bei Scheitern der KV-Gespräche

Wien - "Es reicht", drohte am Freitag der Vorsitzende der Gewerkschaft Hotel, Gastgewerbe, Persönlicher Dienst (HGPD), Rudolf Kaske und fordert die Arbeitgeberseite ultimativ auf, in der nächsten Verhandlungsrunde am 27. Oktober 2003 endlich einen Kollektivvertrag (KV) für die Pflegeberufe zu unterzeichnen. Ansonsten werde es "Protestmaßnahmen innerhalb und außerhalb der Betriebe geben", so Kaske vor Journalisten. Diese Maßnahmen würden durchaus "massiv" sein, die Betreuungsqualität bleibe aber auch während des Protestes aufrecht.

Kaske hat jedenfalls "genug von Sonntagsreden der Politiker immer neuen Wünschen der Arbeitgeberseite", er will "Taten sehen". Dass es auch anders gehe, zeige das Beispiel der Caritas, wo es seit zwei Jahren einen Kollektivvertrag gebe. Im Gegensatz dazu würde die Arbeitgeberseite mit Vorschlägen wie Sonderkorridoren, langjährigen Übergangsfristen und Einkommenskürzungen von bis zu 30 Prozent die seit fünf Jahren laufenden KV-Verhandlungen immer weiter verzögern.

Neben dem Kollektivvertrag forderte Kaske eine verstärkte Aus- und Weiterbildung sowie mehr Mittel für den Pflegebereich. Derzeit würden die unterschiedlichen Landesregelungen zur Ausbildung von Pflegern dazu führen, dass eine Fachkraft aus Niederösterreich nicht in Wien arbeiten darf, weil es in Wien eine längere Ausbildung gibt.

Die Gesellschaft werde künftig "viel mehr Geld als bisher" für diesen Bereich in die Hände nehmen müssen, denn "ohne Geld ka Musi", so Kaske. Derzeit seien 290.000 Menschen in Österreich älter als 80 Jahre. Bis 2030 soll sich diese Zahl verdoppeln - und gerade jetzt greife auch im Gesundheitsbereich "der Sparwahn um sich", so Kaske. Betroffen davon seien rund 30.000 Menschen - Tendenz steigend.

Als Reaktion auf den Pflegeskandal im Lainzer Geriatriezentrum am Wienerwald findet am kommenden Montag unter dem Titel "GZW-transparent" von 11 bis 16 Uhr ein Tag der Offenen Tür statt. (APA)

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