Tschechisches TV: Politiker wie "Termiten"

31. Oktober 2003, 14:31
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Parlamentarier verärgert - Als Reaktion soll Gesetzesnovelle zur Erhöhung der TV-Gebühren nicht verabschiedet werden

Tschechische Politiker sind über das öffentlich-rechtliche Tschechische Fernsehen (CT) verärgert, weil dieses eine umstrittene Reportage ausgestrahlt hat, in der die Abgeordneten mit "Termiten" verglichen wurden, die "nicht arbeiten". Nach Angaben der Prager Tageszeitung "Mlada fronta Dnes" (Freitag-Ausgabe) sind die Parlamentarier von praktisch allen im Unterhaus vertretenen Parteien sauer und wollen angeblich als Reaktion eine derzeit diskutierte Gesetzesnovelle nicht verabschieden, mit der die monatlichen Konzessionär-Gebühren für CT erhöht werden sollen.

Kritik an Arbeitsmoral

Die Verantwortlichen der Reportage "Termiten" wollten nach eigenen Angaben darauf hinweisen, dass die Abgeordneten und Senatoren im zentralen Prager Viertel Mala strana für ihre Büros mehrere historische Häuser "besetzt" hätten. Auch wurde die Arbeitsmoral der Abgeordneten in Anspielung auf ihre nicht seltene Abwesenheit im Parlament kritisiert.

"Wenn jemand ohne relevante Gründe die Senatoren und Abgeordneten als schleimige Insekte bezeichnet, kann er kein Entgegenkommen erwarten", meinte der sozialdemokratische (CSSD) Kulturminister Pavel Dostal, der die Gesetzesnovelle dem Unterhaus vorgelegte. Die Regierung hatte schon zuvor der geplanten Erhöhung der monatlichen TV-Gebühren von bisher 75 auf 95 Kronen pro Haushalt zugestimmt, um das Budget von CT zu verbessern.

"Deutliche Übertreibung"

CT-Generaldirektor Jiri Janecek räumte ein, dass die Reportage auf einer "deutlichen Übertreibung" basiere. Dies hätten aber auch die Redakteure selbst nicht verheimlicht. Aus "dramaturgischer Sicht" habe es sich zwar um "keinen glücklichen Schritt" gehandelt. Allerdings könne man in einem freien Land den Schöpfern nichts verbieten, so Janecek.

Sollten die Politiker ihre Drohungen wahr machen, könnte dies für CT teuer werden. Das CT hatte erst kürzlich erklärt, dass es mit fast acht Millionen Euro im Minus sei. Auch Entlassungen und Programmkürzungen wurden bereits angekündigt. (APA)

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