Starkes Geschlecht, schwache Nerven

24. Oktober 2003, 23:38
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... zumindest wenn es um den Arztbesuch geht - notorische Mängel in Sachen Männergesundheit

Wien - Das Gesundheitsbewusstsein des "starken Geschlechts" lässt stark zu wünschen übrig: Das stellte der heimische Gastroenterologe Univ.-Prof. Dr. Siegfried Meryn anlässlich des Beginns des dritten Weltkongresses zur Männergesundheit in Wien fest. 60 Prozent der österreichischen Männer seien pro Jahr nicht einmal beim Arzt, sagte er im Rahmen einer Pressekonferenz. Um dem entgegenzuwirken, brauche man vor allem "geschlechtsspezifische und -sensible Zugänge" der Mediziner.

Frauen gehen deutlich häufiger zu einem Arzt, führte Meryn, der auch Organisator des Kongresses ist: Bei Vorsorgeuntersuchungen liege das Verhältnis zu den Männern bei etwa 60 zu 40. Ein Mann spreche zudem nur ungern über seine Beschwerden, was sich auch in der durchschnittlichen Verweildauer beim Mediziner abzeichne. Das verstärke sich noch zusätzlich bei Ärzten des gleichen Geschlechts: "Dann stellt der Arzt geschlossene Fragen, und der Patient antwortet mit 'Ja' oder 'Nein'."

Hinein in die männlichen Biotope

Um mehr Bewusstsein für die Wichtigkeit von regelmäßigen Gesundheitschecks zu schaffen, seien geschlechtsspezifische Maßnahmen nötig, sagt Meryn: "Man muss dorthin gehen, wo die Männer zusammenkommen." So halte er es für durchaus sinnvoll, die potenziellen Untersuchungskandidaten beim Fußballmatch etwa auf die Risiken von Prostatakrebs hinzuweisen.

Die richtige Kommunikation mit männlichen Patienten ist auch einer der Schwerpunkte des Kongresses, der bis einschließlich Sonntag in der Universität Wien stattfindet. "Erektile Dysfunktion", "Krebs", "Osteoporose", "Hormonersatztherapie", "Stimmungsstörungen", "Herz- und Gefäßkrankheiten", und "männlicher Lebenswandel" werden ebenfalls von Hunderten Delegationen aus zahlreichen Ländern diskutiert.

Prävention

Im Rahmen der Eröffnung präsentierten internationale Experten auch neue Erkenntnisse in der Krebsbekämpfung: Etwa die "Chemoprävention" von Prostatakrebs, die durch so genannte Finasteride erreicht werden kann. Diese hätten im Rahmen einer Studie die Bildung von karzinogenen Zellen um 25 Prozent verringert, sagte der oberste Gesundheitsbeamte der USA, Dr. Ian Thompson.

Umstritten ist diese Form der Vorbeugung jedoch nicht: Die Ergebnisse müssten erst mit einer zweiten Studie belegt werden, kritisierte der Niederländer Dr. Frans M.J. Debruyne, Generalsekretär der Europäischen Urologenvereinigung. Auch die Preise seien nicht für jeden leistbar, weshalb die Finasteride wohl nur für Hochrisikogruppen geeignet seien. (APA)

Der 3. weltweite Kongress zur Männergesundheit findet bis zum 26.Oktober in der Universität Wien statt.
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