Ein gutes Jahr für Schädlinge

24. Oktober 2003, 13:35
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Der Borkenkäfer schaffte erstmals vier Generationen in einer Saison - auch Feuerbrand und Miniermotte profitieren von der Wärme

Wien - 2003 war vor allem auf Grund der ungewöhnlich heißen und trockenen Witterung ein El Dorado für Pflanzenschädlinge wie den Borkenkäfer. Auch der Feuerbrand - eine bakterielle Erkrankung etwa von Obstbäumen - breitet sich weiter aus, heuer mussten erstmals auch Bäume im Obstland Steiermark gefällt werden. An vorzeitig welkende Blätter an Kastanienbäumen wird man sich in Österreich vorläufig gewöhnen müssen, die 1989 eingeschleppte Miniermotte scheint sich dauerhaft wohl zu fühlen.

Erste Schätzungen durch das Bundesamt und Forschungszentrum für Wald (BFW) gingen von einer Verzehnfachung der Schadholzmengen wegen Borkenkäferbefalls aus. Dieses Katastrophen-Szenario wurde zwar mittlerweile relativiert, 2003 wird dennoch in den Chroniken der Forstwirte einen unrühmlichen Ehrenplatz einnehmen. Bis jetzt seien rund 1,3 Millionen Festmeter Schadholz offiziell gemeldet worden, endgültige Aussagen könnten erst nach Auswertung aller Zahlen treffen, sagte Hannes Krehan von der BFW. Zum Vergleich, die Gesamtschadensmenge durch den Borkenkäfer für 2002 wird mit 600.000 Festmeter angegeben.

Fruchtbar

In durchschnittlichen Jahren bringt der Borkenkäfer zwei bis maximal drei Generationen hervor, heuer waren es erstmals vier. Damit werden auch extrem viele Tiere überwintern. Selbst wenn sich der Extrem-Sommer in den kommenden Jahren nicht wiederholt, wird die zahlenmäßige "Explosion" der Borkenkäfer erst nach und nach abebben.

Normalerweise befallen die Schädlinge in erster Linie kranke oder frisch gefallene Bäume. Bei hohen Populationszahlen werden aber zunehmend auch scheinbar gesunde Bäume befallen. Der Borkenkäfer - eigentlich die Borkenkäfer, denn es gibt mehrere Arten - nistet sich unter der Rinde von Fichten und anderen Nadelbäumen ein. Die Bäume wehren sich durch Harzaussonderung gegen das Einbohren der Käfer, bei anhaltender Trockenheit - wie im heurigen Sommer - ist dieser Abwehrmechanismus geschwächt.

Feuerbrand verbreitet sich

Der Feuerbrand, eine Baum- und Strauchkrankheit, die durch das Bakterium Erwinia amylovora verursacht wird, hat sich in diesem Jahr weiter von Westen nach Osten ausgebreitet. Bisher waren vor allem Vorarlberg, Tirol und Oberösterreich betroffen, heuer mussten auch in der Apfelkammer Österreichs - der Steiermark - erste Bäume gefällt werden. Einmal ausgebrochen, gilt der Feuerbrand als unheilbar, die betroffenen Pflanzen bzw. Triebe können nur radikal ausgeschnitten und die Reste vernichtet werden. Gefährdet durch den Feuerbrand sind neben Apfel-, Birnen- und Quittenbäumen auch Ziergehölzer wie der Feuerdorn. Erstmals in Österreich nachgewiesen wurde der Erreger 1993 in Vorarlberg.

Experten befürchten, dass sich der Feuerbrand in den kommenden Jahren auch in Ostösterreich zu einer echten Gefahr für den Erwerbsobstbau entwickeln wird. Außer Tipps zur Aufmerksamkeit gegenüber ersten Symptomen und Hinweisen zur sicheren Vernichtung von erkrankten Pflanzen haben Experten bis jetzt kaum etwas gegen die weitere Ausbreitung zu bieten. Antibiotika, welche vorbeugend gegen eine Verbreitung während der Blütezeit eingesetzt werden könnten, sind in Österreich nicht zugelassen. Die Methode sei nicht sicher, außerdem könnte über sammelnde Bienen der Honig mit den Medikamenten kontaminiert werden, so Fachleute.

Unverwüstliche Motte

Auch gegen die Kastanien-Miniermotte "Cameraria ohridella" ist kurzfristig offenbar kein Kraut gewachsen. Ihre Larven leben in den Blättern von Rosskastanien und verursachen in Parks und Wäldern ein frühzeitiges Welken der Blätter. Fachleute haben wenig Hoffnung, dass der Parasit in absehbarer Zeit ebenso von selbst verschwindet wie er gekommen ist. Derzeit wird - hauptsächlich in Parks und Gärten - der Häutungshemmer Dimilin gegen die Motten eingesetzt.

Versuche, den Schädling mit natürlichen Feinden, etwa Schlupfwespen, zu bekämpfen, waren bisher wenig erfolgreich. Auch der Einsatz von Fallen, die auf Kastanien-Lockstoffen (Kairomonen) beruhen, sind noch im Versuchsstadium. Laut Krehan gibt es aber auch Experimente, die nachweisen, dass besonders kräftige Kastanien sehr wohl Abwehrmechanismen gegen die Motte besitzen. Es werde daher versucht, die Abwehrkraft der Bäume durch regelmäßige Bewässerung und Düngung zu steigern. (APA)

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    Ein Borkenkäfer

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    Feuerbrand

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    Eine Motten-befallene Kastanie

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