Schulen sollen Lehrer selbst aussuchen

29. Oktober 2003, 17:35
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Gehrer-"Zukunfts- Kommission": Weg von Wochenlehrverpflichtung hin zur Jahresarbeitszeit - Innovative Leistungs- Beurteilung gesucht

Wien - Die Schulen sollen sich ihre Lehrer künftig selbst aussuchen können. Das ist einer der Vorschläge der von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) eingesetzten Zukunftskommission für das Schulwesen. Im Gegenzug sollen die Pädagogen höhere Anfangsgehälter, leistungsorientierte Vorrückungen und Aufstiegsmöglichkeiten innerhalb der Schule in eine Art mittleres Management erhalten, meinte die Bildungspsychologin Christiane Spiel, eines der vier Mitglieder der Steuerungsgruppe der Kommission, vor Journalisten am Donnerstagabend. Einzelne Maßnahmen dürften aber nicht isoliert betrachtet werden, man habe versucht, ein strategisches Gesamtkonzept zu erarbeiten.

Anderes Laufbahnmodell

Der Kommission schwebt ein anderes Laufbahnmodell für Lehrpersonen vor. Die einzelnen Schulen würden demnach Stellen ausschreiben, für die sich die Lehrer bewerben müssen. Dabei gebe es keine Anstellungsgarantie für die Pädagogen, am Anfang könnten sie auch nur befristete Verträge erhalten, so Spiel. Die Schulen selbst sollten entscheiden können, welcher Lehrer am Besten zum jeweiligen Schulprogramm passt. Auch eine Trennung von einem Lehrer soll möglich sein: "Im Prinzip sind wir gegen die Pragmatisierung", so Spiel. Allerdings dürfe in bestehende Verträge nicht eingegriffen werden.

Die Einführung eines mittleren Managements an den Schulen begründete Spiel mit den fehlenden Karrieremöglichkeiten für Lehrer. Derzeit könnten einige wenige Direktor werden, noch weniger in die Schulaufsicht wechseln. Ab einem gewissen Alter wolle man aber für Jüngere verantwortlich sein. Daher solle es möglich sein, weniger zu unterrichten und etwa als Mentor für Junglehrer oder "fachspezifischer Koordinator" zu arbeiten.

Einführen will die Kommission auch eine "jahresbezogene Unterrichtszeit". "Wir müssen weg von der Festlegung, wie viele Stunden in der Woche unterrichtet werden muss", so Spiel. Vielmehr solle sowohl bei Schülern als auch bei Lehrern übers Jahr gerechnet werden - so wäre etwa eine Blockung von Unterricht für Projekte möglich.

Generell will die Kommission mehr Autonomie an den Schulen verankern. Die Schulen selbst sollten mehr selbst gestalten können, der Staat die Ergebnisse kontrollieren - "ähnlich wie im New Public Management", so Spiel. Weiterer Vorschlag: Aus- und Fortbildungseinrichtungen sollen künftig akkreditiert werden - derzeit sei die Ausbildungslandschaft äußerst heterogen, es gebe kaum Abstimmungen zwischen Unis und Pädagogischen Akademien.

Leistungsstandards im Frühjahr

Eine weitere zentrale Maßnahme in den Vorschlägen der Zukunftskommission für das Schulwesen bildet laut der Bildungspsychologin Christiane Spiel die Erarbeitung von Leistungs- oder Kompetenzstandards, die festlegen, was Schüler nachhaltig können sollen. An den "Nahtstellen" des Schulsystems, also vor allem in der vierten und achten Schulstufe, sollen jährlich standardisierte Gruppentests durchgeführt werden, die zu einer Schulbilanz und über anonymisierte Stichproben schließlich zu einem "nationalen Bildungsbericht" führen sollen.

Bei der Erarbeitung der Bildungsstandards will die Kommission mit den Hauptfächern Deutsch, Mathematik und Englisch beginnen. Bei den restlichen Gegenständen setzt man auf die Lehrer, die standortbezogene Standards entwickeln sollen. Die Kommission will "ihre" Standards im Frühjahr vorlegen.

Bewusst nicht behandelt wurden Fragen der Schulorganisation, also etwa Fragen der Einführung einer gemeinsamen Schule für Zehn- bis 14-Jährige. "Das war die einzige Vorgabe an die Kommission", betonte Hermann Helm, Generalsekretär des Bildungsministeriums. "Schulen werden nicht durch Organisationsmaßnahmen besser." Von den Vorschlägen der Kommission würden ein paar Dinge früher, andere später umgesetzt werden können. Es werde sicher auch Bereiche wie die Lehrerausbildung geben, wo dies zehn Jahre dauere, "aber lasst es uns jetzt angehen".

Leistungsbeurteilung soll innovativer werden

In ihrem Weißbuch schlägt die Kommission unter anderem auch "innovative Formen der Leistungsbeurteilung" vor. Konkret genannt wird etwa die "Zwei-Phasen-Schularbeit", bei der die Schüler ihre Klausuren für kurze Zeit wieder zurückerhalten, um diese überarbeiten und Korrekturen vornehmen zu können. (APA)

Erste Ergebnisse der Zukunftskommission für das Schulwesen werden am Samstag bei einer Veranstaltung in der Nationalbibliothek öffentlich präsentiert. Gleichzeitig wird eine "virtuelle Plattform" freigeschaltet: Unter klassezukunft.at sollen am Bildungswesen interessierte mitdiskutieren können. Ein Abschlussbericht ist für Mai 2004 geplant.
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    Bildungsministerin Gehrer blickt in die Zukunft: Schulen sollen künftig ihre Lehrer selbst wählen

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