Frust im Bett als Volkskrankheit

24. Oktober 2003, 12:38
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Kostenlose Sexualambulanz im Wiener Wilhelminenspital leistet Aufklärungsarbeit bei ÄrztInnen und Betroffenen

Wien - In einer im Jahr 2001 von der Firma Pfizer in 28 Ländern der Welt durchgeführten Befragung zum Thema sexuelle Gesundheit gaben von 26.000 Befragten 44 Prozent der Frauen und 39 Prozent der Männer an, in den vergangenen zwölf Monaten sexuelle Probleme gehabt zu haben. Die selbe Studie brachte zutage, dass hingegen lediglich 9 Prozent aller Männer und Frauen in den vergangenen drei Jahren von ihren ÄrztInnen nach ihrer Sexualität befragt wurden.

Sexualleben beeinflusst Gesundheit

"Dabei wirkt sich ein ausgefülltes Sexualleben positiv auf die Gesundheit aus. Das bestätigt auch die Weltgesundheitsorganisation und empfiehlt gleichzeitig, die sexuelle Gesundheit zum integralen Bestandteil jeder ärztlichen Behandlung zu machen", so Prim. Dr. Ludwig Kaspar, Direktor der KAV-Spitäler und Geriatriezentren. Um mit Tabus aufzuräumen, müsse Aufklärungsarbeit sowohl bei den ÄrztInnen als auch den Betroffenen geleistet werden. Denn die Ursachen für sexuelle Störungen können vielfältig sein und beispielsweise von Krankheiten, Operationen oder Medikamenten hervorgerufen werden.

Projekt Sexualambulanz

Vor rund einem Jahr startete deshalb im Wilhelminenspital des KAV das Projekt "Sexualambulanz", das sich mittlerweile - wie die Frequenzzahlen zeigen - etabliert hat. Das besondere an der Sexualberatung im Wilhelminenspital ist der ganzheitliche Ansatz. Die Leiterin der Ambulanz ist sowohl Ärztin als auch Psychosomatikerin, sowie Psychotherapeutin mit der Zusatzausbildung in Sexualtherapie.

Kostenlose Beratung

Die Ambulanz steht zwischen Montag und Freitag jeweils vier Stunden pro Tag kostenlos zur Verfügung und ist vor allem für ambulante und stationäre PatientInnen des Wilhelminenspitals gedacht. Dabei sollen die PatientInnen bereits in den Ambulanzen und Stationen auf den Umstand aufmerksam gemacht werden, dass aufgrund ihrer Erkrankung oder der verschriebenen Medikamente eine Sexualstörung auftreten könnte. Bei Bedarf wird der Kontakt zur Sexualambulanz hergestellt. Nach einem ausführlichen Erstgespräch werden mögliche organische und psychische Ursachen abgeklärt. Sollten Untersuchungen nötig sein, kann auf die Infrastruktur des Schwerpunktkrankenhauses zurückgegriffen werden. Wenn es der Terminkalender zulässt, werden in der Sexualambulanz auch Personen beraten, die keine PatientInnen im Wilhelminenspital sind.

Frequenz der "Sexualambulanz"

Im diesem Jahr wurden in der Sexualambulanz insgesamt 40 Frauen und 30 Männer betreut. Darunter waren 19 Paare, der Rest waren Einzelberatungen. Für einige brachten wenige Besuche in der Sexualambulanz bereits eine Besserung. Die Mehrzahl der Betroffenen benötigt jedoch eine längerfristige Behandlung. Typische organische Ursachen als Auslöser einer sexuellen Störung sind Herz-Kreislauferkrankungen, wie Bluthochdruck oder Verengungen der Herzkranzgefäße. Aber auch Stoffwechselerkrankungen wie beispielsweise die Zuckerkrankheit sowie Veränderungen des Nervensystems wie zum Beispiel Multiple Sklerose oder Parkinson können Ursachen sein.

Die Palette der psychosozialen Ursachen kann von Stress bis zu Depressionen reichen, wobei die Sexualstörung natürlich von einer Kombination aus unterschiedlichen Faktoren hervorgerufen werden kann. Klassische Zivilisationssünden wie übermäßiges Essen oder übermäßiger Alkohol- aber auch Nikotinkonsum und Bewegungsarmut können sich ebenfalls schädigend auf das Sexualverhalten auswirken.

Häufigste Störungen

Laut einer Studie von Sexualtherapeut Rosen aus dem Jahr 1998 sind die häufigsten sexuellen Störungen der Frau (in abnehmender Reihenfolge) Lustlosigkeit, Orgasmusstörungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Lubrikationsstörungen (Gleitfähigkeit der Scheide).

Die häufigsten sexuellen Störungen des Mannes (in abnehmender Reihenfolge) sind frühzeitiger Samenerguss, Erektionsstörungen, Versagensängste und Lustlosigkeit. (red)

"Sexualambulanz" im Wilhelminenspital des KAV
16., Montleartstraße 37
Gynäkologie, Pavillon 28, 1. Stock
Montag und Mittwoch: 16 bis 20 Uhr
Dienstag, Donnerstag, Freitag: 9 bis 13 Uhr
Tel.: 0699/12204392

Link

www.sexualambulanz.at

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