Dramatische Eisschmelze in der Arktis

29. Oktober 2003, 09:37
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NASA - Bilder zeigen zehn Prozent Schrumpfung der Polkappe pro Dekade - Wissenschafter befürchten Änderungen von Meeresströmungen

Washington - Die dramatische Eisschmelze in der Arktis erfordert nach Ansicht von Wissenschaftern schnelles Handeln, um weitere große Klimaveränderungen zu verhindern. Die Polkappe in der Arktis sei seit 1980 um zehn Prozent pro Dekade geschrumpft, wie Satellitenbilder der US-Raumfahrtbehörde NASA zeigen. "Es geschieht jetzt. Wir können es uns nicht leisten, lange auf technische Lösungen zu warten", warnte David Rind von der NASA am Donnerstag (Ortszeit) in New York.

Eisbestand geht dramatisch zurück

Der Anteil des Eises, das das ganze Jahr über vorhanden ist, "erreichte 2002 und 2003 Rekord-Tiefstände", sagte NASA-Wissenschafter Josefino Comiso. Die Ozeane und Landmassen rund um den arktischen Ozean erwärmten sich in den vergangenen zehn Jahren um ein Grad Celsius. Die Schmelze der Eiskappen treibt die globale Erwärmung an, so dass die Experten einen Teufelskreis beobachten: "Schnee und Eis reflektieren auf Grund ihrer weißen Farbe das Licht stark", sagte Comiso. So werde der größte Teil der Sonnenenergie durch Eis und Schnee wieder nach oben reflektiert. Mit der Verringerung der Eisfläche sei dies nicht mehr der Fall, so dass sich das Klima erwärme. Dabei "könnten schon kleine Veränderungen in der Eisoberfläche große Auswirkungen auf den Wasserkreislauf und letztlich auf das globale Klima haben", warnte die NASA.

Konsequenzen

Konsequenzen sind bereits vielerorts zu beobachten. So berichteten Fachleute aus den USA und Kanada im vergangenen Monat, dass das größte und 3.000 Jahre alte Schelfeis-Vorkommen in der Arktis vor der kanadischen Küste zerbrochen sei. Das Schelfeis könne Schifffahrt und Bohrinseln gefährden.

Wissenschafter befürchten Änderungen von Meeresströmungen

Durch den Eisschwund befürchten Wissenschafter unter anderem Änderungen von Meeresströmungen sowie des Fischbestandes. Im Norden wird von Eisplatten aus intensiver Fischfang betrieben. "Wenn das Eis zurückgeht, betrifft das die Gemeinschaften dort oben", sagte der Ozeanexperte von der University of Washington, Michael Seteele. Mark Serreze von der University of Colorado räumte ein, dass ein Teil der Klimaveränderungen auf natürliche Schwankungen zurückzuführen seien. Aber die Klima-Experten seien sich auch einig: "Ein Teil ist auf die Menschen zurückzuführen." (APA)

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    Der Anteil des Eises erreichte 2002 und 2003 Rekord-Tiefstände

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