Wasserstoff-Diät gegen dicke Luft

26. Oktober 2003, 11:00
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Deutsche Wissenschafter plädieren für Umstieg von Benzin auf Wasserstoff

Hamburg/Washington - Der Umstieg von Benzin auf Wasserstoff könnte nach Ansicht deutscher Wissenschafter die Luftqualität verbessern. Demnach ginge insbesondere der Pegel des Reizgases Ozon - einem Hauptbestandteil des Sommersmogs - in Bodennähe zurück, wenn weltweit alle Fahrzeuge per Wasserstoff angetrieben würden. Dies zeigen Modellrechnungen des Hamburger Max-Planck-Instituts für Meteorologie, die ein Team um Martin Schultz im Fachjournal "Science" vorstellt.

Vor allem die mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzelle gilt als Wegweiser in eine schadstoffarme Zukunft. Auf das Klima hätte die Wasserstoffwirtschaft allerdings den Modellrechnungen zufolge nur einen geringen, wenngleich leicht positiven Einfluss - vorausgesetzt, der Wasserstoff würde durch Sonnen- oder andere klimafreundliche Energien gewonnen.

Gegenmeinung zu US-Berechnungen

Die Schadstoff-Abnahme wäre über verkehrs- und industrieintensiven Regionen und damit auf der Nordhalbkugel der Erde besonders ausgeprägt. Relativ zu heutigen Verhältnissen erwarten die Wissenschaftler, dass die Konzentration von Hydroxyl-Radikalen - aggressiven Bruchstücken des Wassermoleküls - sowie der Bestand an Stickoxiden sinken wird. Stickoxide sind entscheidend für die Bildung von Ozon, das in Ballungsgebieten schon mal für "dicke" Luft sorgt.

Wasserstoff ist ein flüchtiges Gas, das aus Tanks und Pipelines leicht entweichen kann. Deshalb würde eine globale Wasserstoffwirtschaft unweigerlich einen Anstieg des Wasserstoffgehaltes in der Atmosphäre mit sich ziehen. In einer kürzlichen Studie hatte ein Forscherteam um Tracey Tromp vom California Institute of Technology darauf hingewiesen, dass eine solche Zunahme die Ozon-Schicht in den obersten Etagen der Atmosphäre (Stratosphäre) schädigen könnte. Die Hamburger Forscher halten solch eine Entwicklung auf der Grundlage realistischer Leck-Raten für unwahrscheinlich. Die amerikanischen Wissenschafter seien bei ihren Berechnungen von besonders hohen Raten ausgegangen. (APA/dpa)

Vgl. "Science",(Bd. 302, S. 624)
  • Bild nicht mehr verfügbar

    Blick unter die Motorhaube eines Brennstoffzellen-betriebenen Autos

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