Wie man korrupt ist

27. Oktober 2003, 09:59
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Um korrupt zu sein, schadet es nicht zu wissen, was Korruption eigentlich ist. Um nicht korrupt zu sein, ebenfalls. Aus dem zweiten Grund wurde in der für Korruption noch relativ unbedeutenden österreichischen Finanzverwaltung doch tatsächlich ein Antikorruptionsbüro eingerichtet. Für die Mitarbeiter wurde eine Antikorruptionsbroschüre aufgelegt, die der geborene Antikorruptionsminister mit mehr als drei Buchstaben unterschrieb. Wozu dieser Aufwand? Nun: Schlafende Hunde, die man mutwillig weckt, die beißen erst, wenn sie nicht mehr bellen, oder so ähnlich.

In dem Merkheft werden bittere Warnungen ausgesprochen ("Wegschauen kann strafbar sein") und große Geheimnisse gelüftet, etwa, "dass im Geschäftsleben Geschenke häufig mit dem Hintergedanken gemacht werden, eine entsprechende Gegenleistung zu erhalten". - Echt?

Kleiner Trost für die intellektuell unter ihrem Niveau verkauften Finanzbeamten: Wir im STANDARD wurden jüngst mit PC-Reinigungstüchern und dem freundlichen Hinweis beglückt: "Geputzte Bildschirme schonen die Augen und bringen durch klarere Darstellung bessere Arbeitsergebnisse." - Vielleicht entspricht es dem Zeitgeist, bei null anzufangen.
(Der Standard, Printausgabe 24.10.2003)

Von Daniel Glattauer
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