Fangemeinde trauert um Kultobjekt: "Ein tolles Geräusch, das vergisst du nie"

27. Oktober 2003, 09:58
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Manche hoffen auf eine Rückkehr

London - Es wird Paul Langfermann fehlen, dieses Geräusch. Erst summt es in der Ferne, dann wird der Ton tiefer, am Ende schwillt er an zu ohrenbetäubendem Krach. Kein Zweifel, es ist die Concorde. Jeden Abend gegen sieben startete sie nach New York. Dann donnerte sie über die Vorstädte im Londoner Südwesten hinweg, auch über Richmond, wo Langfermann wohnt. "Ein tolles Geräusch", schwärmt der 15-Jährige, "das vergisst du nie".

Adé Lieblingsflugzeug

Paul Langfermann, geboren in Bremen, seit acht Jahren in London zu Haus, sagte seinem Lieblingsflugzeug stilvoll Adé. Abend für Abend fuhr er hinaus nach Heathrow, zu einer Tankstelle hinterm U-Bahnhof Hatton Cross, wo sich die Fans am Airport-Zaun treffen. Nirgends lärmte die Concorde lauter als dort. Erst der Start, der einem fast das Trommelfell zerreißt, dann schwenkt sie elegant in eine Rechtskurve Richtung Amerika ein. Das Problem ist nur, dass es im Herbst dunkel ist abends um sieben. Also versammelten sich die "plane-spotter" schon zwei Stunden vorher auf einer Wiese, um den schneeweißen Supervogel bei der Landung zu sehen.

Man kennt sich, fast jedem hier baumelt eine Digitalkamera vor dem Bauch. Es geht darum, wer das schönste, perfekteste, originellste Foto schießt. Ihre Motive mailen sie einschlägigen Websites zu wie airliners.net.

Ein schöner Traum

Für die Briten ist der schlanke Flieger, der Mach 2 erreicht, noch immer ein schöner Traum. Auch sie hatten ihre Pannen, aber ihnen steckt die Katastrophe vom Juli 2000 in Paris nicht so in den Knochen wie den Franzosen. Für die Briten ist die Concorde ein Grund, stolz zu sein. Und sehr nostalgisch. "Da sieht man mal, was unsere Industrie alles herstellen konnte", schwärmt der Labour-Politiker Tony Benn. "Das alles ist uns durch die Finger geglitten." Paul Langfermann hofft auf eine zweite Chance. Vielleicht hebt sie ja doch noch mal ab, die Concorde. Im Dezember, wenn sich der erste Motorflug der Gebrüder Wright zum 100. Mal jährt, könnte sie sich in die Lüfte erheben. Vorerst ist es ein Traum. (Frank Hermann aus London, DER STANDARD 24.10.2003)

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    Fans wissen, die Concorde startete jeden Abend gegen sieben von London nach New York

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