Noch einmal ein Blick auf die Unendlichkeit

27. Oktober 2003, 09:58
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Stammgäste beenden Geschichte des schnellsten Passagierflugzeuges der Welt

New York/Wien - Zugegeben, unterhaltungstechnisch gesehen ist das schnellste Passagierflugzeug der Welt ein wenig enttäuschend. Keine Computerterminals an den Sitzen, keine Videobildschirme in der schmalen Kabine - einzig ein Display, auf dem man die aktuelle Reisegeschwindigkeit ablesen kann, bietet an Bord der Concorde Abwechslung. Am Freitag wird dieses Display aber im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stehen, denn zum letzten Mal wird es auf einem Linienflug Mach 2 anzeigen.

Stammkunden aus Wirtschaft und Showgeschäft

Rund 100 Gäste, die meisten von ihnen Stammkunden aus Wirtschaft und Showgeschäft, werden an Bord des British Airways-Flugs sein, der von New York nach London über den Atlantik donnert. Fast alle von ihnen kennen das Gefühl, mit über 400 Stundenkilometer über die Startbahn zu rasen, dann nach hinten in den Ledersitz gepresst zu werden, wenn der spitznasige Flieger in den Himmel schießt um schließlich 18 Kilometer über der Erdoberfläche auf zweifache 2. Spalte Schallgeschwindigkeit zu beschleunigen.

Reisehöhe macht fehlende Entertainment-Angebote mehr als wett

Die Reisehöhe macht dann auch die fehlenden Entertainment-Angebote mehr als wett: Blickt man aus den kleinen ovalen Bordfenstern, erhascht man einen Blick in die Unendlichkeit. Denn der Himmel, der weit unter dem Flieger noch das gewohnte Blau hat, verläuft sich und ist oberhalb des Überschalljets schließlich schwarz - man starrt ins Weltall.

Museumsreif

Gegen 16 Uhr Ortszeit ist die Ära des zivilen Reisen mit zweifacher Schallgeschwindigkeit dann auf absehbare Zeit vorbei. Nach knapp dreieinhalb Stunden Flugzeit wird ein letztes Mal die charakteristische spitze Nase abgesenkt, um den Piloten bessere Sicht für den Landeanflug auf den Londoner Flughafen Heathrow zu ermöglichen. Ist der Rummel vorbei, werden die Maschinen dann in Museen in Großbritannien und den USA ausgestellt werden. (Michael Möseneder, DER STANDARD Printausgabe 24.10.2003)

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    Reisehöhe machte fehlende Entertainment-Angebote mehr als wett

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