Grüne Überraschung auf Griechisch

24. Oktober 2003, 20:13
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Präsidentschaftskandidatin Vassilakou wusste nichts von ihrer Nennung - mit Kommentar

Wien/Instanbul - Die Nachricht erreichte die Wiener Grünen-Politikerin Maria Vassilakou auf einer Dienstreise in Instanbul. Parteichefs Alexander Van der Bellen hatte sie am Donnerstag in einem Interview als mögliche grüne Präsidentschaftskandidatin ins Spiel gebracht.

Vorherige Gespräche mit Vassilakou hatte es nicht gegeben, dementsprechend überrascht zeigte sie sich am Freitag. "Natürlich fühle ich mich auch sehr geehrt", sagte die Kommunalpolitikerin im Gespräch mit dem STANDARD. Ob sie sich selbst eine Kandidatur vorstellen könne, wollte sie nicht beantworten: "Ich kann es mir weder vorstellen noch nicht vorstellen."

Im Gegensatz zu anderen Grünen spricht sie sich aber für eine Grünen-Kandidatur aus. "Vorzugsweise" sollte es eine Frau sein, "was aber nicht heißt, dass ich das bin", so die gebürtige Griechin. Ihre politische Priorität sei eindeutig Wien. Hier habe man das Ziel, 2006 die absolute Mehrheit der SPÖ zu brechen, sagte die nicht amtsführende Stadträtin. Nach ihrer Rückkehr werde sie aber "in Ruhe Gespräche führen müssen".

Die grundsätzlich kritische Position der Grünen dem Präsidentschaftsamt gegenüber hat sich in den letzten Jahren gewandelt, meint Justizsprecherin Terezija Stoisits. Zu Waldheims Zeiten seien die Grünen der Ansicht gewesen, besser keinen Präsidenten zu haben als einen, der seinen Repräsentationspflichten im Ausland nicht nachkommen könne: "Heute wird das Amt nicht mehr infrage gestellt, sondern debattiert, mit welchen Kompetenzen man es ausstatten soll."

Stoisits hält "wenig bis gar nichts" davon, eine grüne Kandidatin oder einen Kandidaten ins Rennen zu schicken, der keine echte Chance hat: "Das ist ein Amt, das man haben will, wenn man kandidiert."

In der SPÖ werden die Weichen für einen Kandidaten mit guten Chancen Anfang Dezember gestellt. Es handelt sich, wenig überraschend, um den Zweiten Nationalratspräsidenten Heinz Fischer. Der will das zwar offiziell noch immer nicht bestätigen, in seiner Partei gilt jedoch Fischers Kandidatur als ausgemacht - sein halböffentlich begangenes Fest zum 65. Geburtstag vor einer Woche wurde intern als Wahlkampfauftakt interpretiert. (pm, kob, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 25./26.10.2003)

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    Maria Vassilakou
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