Streikaufruf gegen Sparplan bei AFP

31. Oktober 2003, 14:33
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Personal stimmt bis 3. November in geheimer Wahl ab - Dienste in allen Sprachen betroffen - Chefredaktion warnt

Die gesamte Belegschaft der französischen Nachrichtenagentur Agence France Presse (AFP) soll darüber abstimmen, ob am 4. November aus Protest gegen einen Sparplan der Unternehmensführung eine Arbeitsniederlegung in allen Redaktionen der Agentur stattfinden soll. Zu dem Streik haben die Gewerkschaften CFDT, FO, SNJ und SUD aufgerufen. Das AFP-Personal weltweit hat bis zum 3. November Zeit, um in einer geheimen Wahl über die Arbeitsniederlegung abzustimmen.

Protest gegen Veräußerung des AFP-Sitzes

Durch den Streik wollen die Gewerkschaften insbesondere gegen die geplante Veräußerung des AFP-Sitzes protestieren. Dieser am vergangenen Freitag vom Verwaltungsrat genehmigte Plan des AFP-Präsidenten Bertrand Eveno sieht den Verkauf des Gebäudes am Pariser Börsenplatz für 40 Millionen Euro vor. Mit dem Erlös soll ein Teil der AFP-Schulden getilgt werden, die insgesamt 66 Millionen Euro betragen. Der Agentursitz soll laut Plan anschließend im Leasing-Verfahren wieder erworben werden.

Der Streik soll nach Angaben der Gewerkschaften am Dienstag, dem 4. November, von 0 Uhr bis 24 Uhr dauern. Er betrifft das journalistische Personal sowie die übrige Belegschaft und alle Büros und Dienste der AFP in Frankreich und im Ausland. Betroffen sein werden nicht nur der französischsprachige Dienst, sondern auch die Dienste in allen anderen von der AFP angebotenen Sprachen. Die den Kommunisten nahe stehende Gewerkschaft CGT hat sich dem Streikaufruf nicht angeschlossen.

Chefredaktion: "Desaster"

Die Chefredaktion der AFP hat vor dem Streik als einem potentiellen "Desaster" für die Agentur gewarnt. Ein Streik, der auch die Dienstleistungen im Ausland betreffe, stelle ein Risiko für die Glaubwürdigkeit der Nachrichtenagentur dar, hieß es.

Eveno, dessen dreijähriges Mandat an der AFP-Spitze am 11. Oktober ausgelaufen ist, wird aller Wahrscheinlichkeit nach am Freitag vom Verwaltungsrat wieder gewählt. Ein Vertreter des Staates im Verwaltungsrat hatte bei der letzten Sitzung schon betont, dass man sich an der AFP-Spitze "Kontinuität" wünsche. Dem Verwaltungsrat gehören acht Vertreter der Presse an, zwei der audiovisuellen Medien, drei des öffentlichen Dienstes und zwei Vertreter der Belegschaft. Einziger Gegenkandidat für den Posten ist Thierry Canabate von der mittlerweile nicht mehr existierenden Gesellschaft "Societe Francaise de Production" (SFP). (APA)

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