Genetischer Methusalem

24. Oktober 2003, 20:00
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Künstliche Lebensverlängerung auf das Sechsfache geglückt - Versuchswürmer blieben gesund

Washington - Mit wenigen genetischen Eingriffen haben Forscher in den USA die Lebensspanne von Fadenwürmern versechsfacht. Die kleinen Würmer (Caenorhabditis elegans) lebten durchschnittlich 124 Tage statt der sonst üblichen 20 Tage und erfreuten sich bis zum Schluss bester Gesundheit. Auf Menschenjahre übertragen erreichten sie bei uneingeschränkter Aktivität ein Alter von 500 Jahren, berichten Nuno Arantes-Oliveira und Kolleginnen von der Universität von Kalifornien in San Francisco (UCSF) im Wissenschaftsjournal "Science".

"Die Ergebnisse zeigen, dass der Eingriff in eine kleine Anzahl von Genen und Gewebe eine erhebliche Verlängerung des Lebens bewirken kann, offensichtlich ohne dass die Gesundheit und Vitalität dadurch Schaden nimmt", schreiben die Autorinnen in "Science". Ihnen zufolge wurde noch bei keinem anderen Organismus eine durchschnittliche Verlängerung der Lebensspanne von dieser Größenordnung erreicht.

Übertragbar?

Besonders faszinierend sei, dass der Trick über die Veränderung von Genen gelang, die in das Kontrollsystem für das Hormon Insulin eingebunden sind. Dieses System spiele auch für die Lebensdauer vieler anderer Organismen, Säugetiere und damit Menschen eingeschlossen, eine entscheidende Rolle, heißt es in "Science".

Aus früheren Studien war bereits bereits, dass ein spezielles Gen dieses Insulin-Kontrollsystems, daf-2 genannt, lebensverlängernd wirken kann. Allerdings verfielen junge Tiere mit mutiertem daf-2-Gen bei jenen Experimenten in einen Ruhezustand ("dauer"). Das Team um Arantes-Oliveira schaffte es jetzt über weitere Manipulationen an daf-2, die Lebensverlängerung auch ohne Ruhezustand zu erreichen. (APA/dpa)

Vgl. "Science", (Bd. 302, S. 611)
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