Nationalismus als politischer Heimatersatz

27. Oktober 2003, 07:07
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Italienische Parteien setzen auf Patriotismus

Mussolini hat es bauen lassen, Postfaschist Gianfranco Fini benutzt es heute noch gerne: Für Donnerstagabend sagte sich der italienische Vizepremier und Parteichef der Alleanza Nazionale vor dem Bozner Siegesdenkmal an, um den Italienern im "Alto Adige" fest zu versichern, dass Rom an sie denkt. Fini setzte damit den Endpunkt in einem Wahlkampf, in dem sich die italienischen Parteien in Südtirol mit nationalistischen Parolen überboten haben.

Ausgerechnet Alleanza Nazionale übernahm nach dem Versinken der alten Parteien im Korruptionssumpf der frühen 90er-Jahre die Rolle einer Art Sammelpartei für die italienischsprachigen Südtiroler. Die Partei hält drei Sitze im Landtag (s. Grafik). Um diesen Rang zu behalten, greift man in Bozen und Rom beherzt in die rabiatpatriotische Klaviatur: Im Parlament brachten die Postfaschisten einen Gesetzesantrag zur Abänderung eines Autonomieparagrafen ein. Und nun suchte sich Fini eben den symbolträchtigsten Ort in einem an nationalistischen Symbolen nicht eben armen Land für seinen Auftritt aus.

Beobachter haben längst eine Reethnifiziereung der Parteien in Südtirol festgestellt. Nur die Grünen erheben noch den Anspruch einer sprachgruppenübergreifenden Politik. Die andern - ob Forza Italia oder der AN-Ableger Unitalia - geben sich alle Mühe, dem ethnischen Reinheitsgebot zu folgen.

Konkret bedeutet das für den politischen Proporz in Südtirol, dass es der SVP nach der Wahl schwer fallen könnte, den Italienern zustehende Landesratssitze mit autonomiefreundlichen Kräften zu besetzen (s. Interview). Gewinnen die Autonomiegegner stark dazu, müsste man zum letzten Mittel einer verkleinerten Regierung greifen. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2003)

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