Kavaliersdelikte als Mafia-Nährboden

30. Oktober 2003, 15:35
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Leoluca Orlando: Die Banken in Österreich sind Gefahrenquelle

Salzburg - Der italienische Mafiajäger Leoluca Orlando warnt davor, dass Österreich zum gesuchten Ort für Mafiaaktivitäten werde. Ein Land, in dem Steuerhinterziehung ein Kavaliersdelikt sei, biete einen hervorragenden Nährboden für die Mafia: "Ein Kavaliersdelikt ist gefährlicher als ein Raub. Ein Raub ist ein Raub, aber ein Kavaliersdelikt ist eine kulturelle Kriminalität. Der Respekt vor dem Gesetz ist dahin", sagte Orlando in Salzburg. Deshalb sei auch bei den Banken eine Gefahr, die jedoch "aufmerksam geworden seien".

Orlando hatte in den 80er und 90er Jahren gemeinsam mit Italiens Justiz versucht, die Mafia in die Knie zu zwingen. Sein Erfolgsrezept ist der "sizilianische Karren" mit seinen zwei Rädern: Das Rad der Justiz und das Rad der kulturellen Identität hätten nur gemeinsam die Cosa Nostra besiegen können.

"Kultur der Legalität"

Auch wenn Österreich nicht von der Mafia infiltriert sei, "kann niemand sagen, wir haben kein Problem". Von einer Mentalität, die Kavaliersdelikte dulde, gehe Gefahr aus, weil sie gegen die Kultur der Legalität sei. "Bin ich ein Geschäftsmann, begehe ich Kavaliersdelikte. Bin ich ein armer Mann, werde ich Räuber. Das ist dasselbe. Ich lebe von derselben Idee."

Die Mafia agiere heutzutage nicht mehr im Namen von Ehre oder Freundschaft. Ihre Werte seien Reichtum und Erfolg, erklärte der italienische Politiker. (APA/DER STANDARD, Printausgabe, 23.10.2003)

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