ElBaradei will "Atomwaffen-freien Nahen Osten"

26. Oktober 2003, 14:32
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IAEO-Chef: Verzicht Israels auf Atomwaffenprogramm nur bei umfassender Friedenslösung denkbar

Wien - Nach Meinung des Generaldirektors der Internationalen Atomenergie-Berhörde (IAEO), Mohamed ElBaradei, ist ein Verzicht Israels auf ein Atomwaffenprogramm nur bei einer umfassenden Friedenslösung für den Nahen Osten denkbar. Sollte der Iran wie versprochen tatsächlich mit der IAEO kooperieren, würde dies die "hoch komplizierte Situation im Nahen Osten jedenfalls weniger kompliziert machen", erklärte ElBaradei in einem Interview mit der Tageszeitung "Die Presse".

"Was wir anstreben, ist, den ganzen Nahen Osten völlig atomwaffenfrei zu machen", so der IAEO-Chef. Denn jedes Land der Region, das ein Nuklearwaffenprogramm verfolge oder von außen verdächtigt werde, ein solches Programm zu haben, mache die Situation dort noch schwieriger. "Wir haben das israelische Problem dort. Aber nur mit einem Atomwaffenstaat zu tun zu haben ist jedenfalls einfacher, als mit zwei oder drei Nuklearmächten", erklärte ElBaradei.

Berichte über atomare Pläne Saudi-Arabiens

"Wir können Israel wohl nur langfristig zur Einsicht bringen, dass es besser für das Land wäre, auf Atomwaffen zu verzichten", meinte der aus Ägypten stammende ElBaradei. Derzeit sei Israel nicht dazu bereit, es fordere zuvor einen umfassenden Frieden und die Anerkennung seines Existenzrechts durch alle Staaten der Region. Die arabischen Länder auf der anderen Seite beklagten, dass sie sich sehr wohl dem Kontrollregime der IAEO unterworfen haben, während Israel bereits Atomwaffen habe. "Wir werden da nur Fortschritte machen können, wenn auch der Friedensprozess vorankommt", so ElBaradei.

Zu britischen Presseberichten, dass auch Saudiarabien den Besitz von Kernwaffen anstrebe, sagte ElBaradei: "Ja, ja, es gab zuletzt mehrere Berichte, die nicht nur die Kernwaffen-Ambitionen Saudiarabiens betrafen, sondern auch die Syriens und Libyens. Ich hoffe aber, da ist nichts dran."

Zu Nordkorea sagte ElBaradei, dieses Land "ist und bleibt die größte Gefahr für alle internationalen Anstrengungen gegen die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen." Wenn Nordkorea auch noch keine eigenen Atomwaffen haben sollte, so habe es doch die Fähigkeiten, Kernwaffen zu entwickeln. "Es hat genug Plutonium, um fünf oder sechs Atombomben zu bauen", so der IAEO-Chef.

Angesprochen auf einen Beitrag im "Economist", in der der IAEO-Chef darauf hingewiesen hatte, dass Nuklearwaffen in den Händen von Terroristen eine der großen Bedrohungen der Zukunft sein könnten, sagte ElBaradei: "Es ist keine imminente Gefahr, denn es ist nach wie vor äußerst schwierig für Terroristen, an nukleares Material heranzukommen und daraus eine Atombombe zu bauen. Aber es ist nicht unmöglich. Viel gefährlicher ist jedoch, dass Terroristen an radioaktives Material herankommen. Materialien, die wir alltäglich in Krankenhäusern oder in der Industrie verwenden; und dass sie diese Materialien zum Bau einer sogenannten schmutzigen Bombe verwenden. Diese ist zwar nicht mit der Zerstörungskraft einer Nuklearwaffe vergleichbar, aber auch eine solche Bombe könnte verheerende Folgen haben." (APA)

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    IAEO-Chef ElBaradei

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