Jugoslawiens Ex-Premier Markovic schlief mit Pistole unterm Polster

24. Oktober 2003, 17:43
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Aussage vor UNO-Tribunal belastet Milosevic: "Ich bin gescheitert und das wegen ihnen"

Den Haag - Der frühere Ministerpräsident von Jugoslawien, Ante Markovic, fühlte sich gegen Ende seiner Amtszeit 1991 in Belgrad persönlich so stark gefährdet, dass er nur mit einer Pistole unter dem Kopfpolster schlief. Dies schilderte der 78-Jährige am Donnerstag im Kriegsverbrecher-Prozess gegen den damaligen serbischen Präsidenten Slobodan Milosevic vor dem UNO-Tribunal in Den Haag.

Zeuge der Anklage

Als Zeuge der Anklage machte der jugoslawische Regierungschef der Jahre 1989 bis 1991 den kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman und Milosevic gemeinsam für den blutigen Bosnienkonflikt (1992-1995) verantwortlich. Beide seien sich einig geworden, Bosnien-Herzegowina unter Kroaten und Serben aufzuteilen. Für die Moslems sollte es lediglich eine Enklave geben.

Markovics Warnung, dass "Ströme von Blut und großes Elend" die Folge der verhängnisvollen Einigung sein würden, hätten die beiden Präsidenten nicht beachtet, sagte der Zeuge. Er selbst habe noch alles versucht, um das Schlimmste zu verhindern. "Ich bin gescheitert und das wegen Ihnen", rief er Milosevic zu. (APA/dpa)

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