Dämpfer für Schweizer Telekombranche

30. Oktober 2003, 15:27
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Deutlich geringeres Wachstum 2002 im Mobilfunkmarkt - Weniger Vollzeitstellen

Die Schweizer Telekommunikationsbranche musste auch im letzten Jahr einen Dämpfer hinnehmen. Die Wachstumsraten sind 2002 auf den tiefsten Stand seit der Liberalisierung vor über fünf Jahren gesunken. Erstmals schrumpfte das Stellenangebot in der Branche. Der Nettoumsatz der Telekom-Anbieter legte 2002 um nur 1,3 Prozent auf 14,97 Mrd. Franken (9,68 Mrd. Euro) zu, wie aus der amtlichen Fernmeldestatistik des Schweizer Bundesamtes für Kommunikation (Bakom) hervorgeht, die heute, Donnerstag, veröffentlicht wurde.

In den Vorjahren hatte die Branche noch Umsatzzuwächse zwischen 6 und 17 Prozent verzeichnet. Deutlich besser als die Umsätze präsentierte sich 2002 der Betriebsgewinn. Laut einer Bakom-Schätzung stieg der Gewinn um 30,8 Prozent auf 1,75 Mrd. Franken. Während die Ergebnisse höher ausfielen, musste das Personal "bluten". Einige große Unternehmen, wie beispielsweise die Swisscom, bauten Stellen ab. Zudem stellten zehn Firmen ihren Betrieb ein. Erstmals seit der Liberalisierung Anfang 1998 sank die Gesamtzahl der Vollzeitstellen um fast 1.200 auf 23.500, einen niedrigeren Stand als 1999. Der Rest der Branche habe jedoch auch 2002 neue Arbeitsplätze geschaffen, heißt es in dem Bericht weiter.

Während die Festnetztelefonie schon seit einiger Zeit eine rückläufige Entwicklung aufwies, verringerte sich das Wachstum nun auch im Mobilfunkmarkt deutlich. Die Zahl der Kunden stieg 2002 nur noch um 8,7 Prozent auf 5,74 Millionen. In den Jahren zuvor hatte sie jeweils mit zweistelligen Prozentzahlen zugelegt. Der Schweizer Markt scheint gesättigt: Mittlerweile haben 78,4 Prozent der Bevölkerung ein Handy. Die Zahl der versandten SMS nahm nach stürmischer Entwicklung mit dreistelligen Zuwachsraten erstmals ab (minus 0,3 Prozent). Insgesamt wurden noch 3,02 Milliarden Kurzmitteilungen verschickt. Für den leichten Rückgang sei der Kampf der Betreiber gegen Spam-SMS verantwortlich, wodurch viele unerwünschte Kurzmitteilungen verschwunden seien, teilte das Bakom mit. Zudem seien die SMS teurer geworden und bei bestimmten Pauschalangeboten Gratis-SMS abgeschafft worden.

Obwohl der Anteil der Handy-Anschlüsse (5,74 Millionen) deutlich über den Festnetzanschlüssen (4,1 Millionen) lag, wurden nur 18,4 Prozent der gesamten Gesprächsdauer über das Mobiltelefon abgewickelt. Die Gespräche am Handy dauerten durchschnittlich nur halb so lang wie im Festnetz. Als Wachstumsmotor der Branche entpuppte sich das Internet, die Zahl der Dauernutzer stieg um 11,4 Prozent. Während die Analog-und ISDN-Anschlüsse stagnierten, waren die Breitbandanschlüsse sehr gefragt (plus 148,2 Prozent). Mittlerweile surfen 390.300 Abonnenten über Kabel-TV oder ADSL auf der Datenautobahn im Internet.

Umgekehrt verlief die Entwicklung bei den Telefonzellen. Seit der Liberalisierung hat die Swisscom pro Jahr durchschnittlich rund 10 Prozent öffentliche Telefone abmontiert. Mittlerweile müssen sich 1.000 Einwohner mit 4,9 Telefonkabinen begnügen. 1998 waren es noch 7,7 gewesen. Insgesamt gab es Ende 2002 noch 36.029 öffentliche Telefone in der ganzen Schweiz.(APA)

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