"Wir sind die Diagonale!"

Redaktion, 21. November 2003, 19:16

Heimische Filmschaffende beschließen ein Festival in Eigenregie

Wien/Graz – In Graz könnte es 2004 möglicherweise nicht ein, sondern gleich zwei Festivals des österreichischen Films geben: In den vergangenen Wochen hatten zahlreiche heimische Filmschaffende bekannt gegeben, ihre Filme auf der Diagonale 04 nicht zeigen zu wollen. Nunmehr wurde von Filmschaffenden selbst eine dreitägige Veranstaltung in Graz vor dem Termin der Diagonale 04 (13. bis 21. März 2004) beschlossen.

Bekannt wurde dies am Mittwoch bei einem Podiumsgespräch im Rahmen der Viennale unter dem Titel "Quo vadis, Diagonale?" mit den Regisseuren Ruth Beckermann, Kurt Mayer (Dachverband der österreichischen Filmschaffenden), Franz Leopold Schmelzer (Austrian Directors Association) und Virgil Widrich (Verband der Filmregisseure Österreichs) sowie den Produzenten Alexander Dumreicher-Ivanceanu und Johannes Rosenberger (dok.at/ Interessengemeinschaft österreichischer Dokumentarfilmschaffender).

Diagonale – so nicht

Bekräftigt wurden seitens aller (und aus dem Publikum) grundsätzliche Einwände gegen die Diagonale 04 unter der Leitung von Miroljub Vuckovic und Tillmann Fuchs: zum einen gegen die Vorgangsweise des Kunststaatssekretariats bei Ausschreibung, Auswahl und Berufung der neuen Intendanz. Zum anderen gegen die von dieser Mitte September vorgestellten Neugestaltungspläne für das Festival.

Weiters wurde über mögliche Formen einer Präsentation des österreichischen Filmschaffens in Eigenregie diskutiert. Per Akklamation der rund 200 Anwesenden wurde schließlich Alexander Dumreicher-Ivanceanu zum Koordinator einer alternativen Diagonale gewählt. Dieser hat seit zwei Wochen mit weiteren Filmschaffenden und -vermittlerinnen unter der Adresse www.rundumdiediagonale.at eine Internetseite eingerichtet und forderte alle an Mitarbeit Interessierten auf, sich dorthin zu wenden.

Gegenüber dem STANDARD sagte Ivanceanu, ein wichtiges erstes Ziel sei nun, die Grazer Stadtpolitiker für das Projekt zu gewinnen: "Das Festival soll in Graz stattfinden, nicht zuletzt wegen der langjährigen Unterstützung der Stadt und des großartigen Grazer Publikums." (irr/DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2003)


Beratungen in Graz

Vorerst keine einheitliche Position gibt es zu dieser Frage in Graz. Kulturstadtrat Christian Buchmann (ÖVP) hatte sich gegen die Abhaltung und Subventionierung einer zweiten Veranstaltung ausgesprochen und geäußert, er könne sich vorstellen, dass die Stadt für die Diagonale 04 rund 209.000 Euro bereitstellt (die Summe von 2003); mehr sei nicht machbar.

Der Vorsitzende des Grazer Kulturausschusses, SPÖ-Klubchef Karl-Heinz Herper, erinnerte hingegen an die Möglichkeit eines Mehrheitsbeschlusses im Stadtrat "gegen die Morak-Diagonale und für die Diagonale der Filmproduzenten" - den die Sozialdemokraten mit Unterstützung der Grünen und der KPÖ fassen könnten. Mitte Dezember soll im betreffenden Budgetkapitel einen Abänderungsantrag eingebracht werden: "Wenn es keine Doppelförderung gibt und die ÖVP auf ein Entweder-Oder besteht, sind wir für das Oder". (hcl/APA)

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