Heimische Filmschaffende beschließen ein Festival in Eigenregie
Wien/Graz – In Graz könnte es
2004 möglicherweise nicht
ein, sondern gleich zwei Festivals des österreichischen
Films geben: In den vergangenen Wochen hatten zahlreiche
heimische Filmschaffende bekannt gegeben, ihre Filme auf
der Diagonale 04 nicht zeigen
zu wollen. Nunmehr wurde
von Filmschaffenden selbst
eine dreitägige Veranstaltung
in Graz vor dem Termin der
Diagonale 04 (13. bis 21. März
2004) beschlossen.
Bekannt wurde dies am
Mittwoch bei einem Podiumsgespräch im Rahmen der
Viennale unter dem Titel
"Quo vadis, Diagonale?" mit
den Regisseuren Ruth Beckermann, Kurt Mayer (Dachverband der österreichischen
Filmschaffenden), Franz Leopold Schmelzer (Austrian Directors Association) und Virgil Widrich (Verband der
Filmregisseure Österreichs)
sowie den Produzenten Alexander Dumreicher-Ivanceanu und Johannes Rosenberger
(dok.at/ Interessengemeinschaft österreichischer Dokumentarfilmschaffender).
Diagonale – so nicht
Bekräftigt wurden seitens
aller (und aus dem Publikum)
grundsätzliche Einwände gegen die Diagonale 04 unter der
Leitung von Miroljub Vuckovic und Tillmann Fuchs: zum
einen gegen die Vorgangsweise des Kunststaatssekretariats
bei Ausschreibung, Auswahl
und Berufung der neuen Intendanz. Zum anderen gegen
die von dieser Mitte September vorgestellten Neugestaltungspläne für das Festival.
Weiters wurde über mögliche Formen einer Präsentation des österreichischen
Filmschaffens in Eigenregie
diskutiert. Per Akklamation
der rund 200 Anwesenden
wurde schließlich Alexander
Dumreicher-Ivanceanu zum
Koordinator einer alternativen
Diagonale gewählt. Dieser hat
seit zwei Wochen mit weiteren Filmschaffenden und
-vermittlerinnen unter der
Adresse www.rundumdiediagonale.at eine Internetseite eingerichtet und forderte alle an Mitarbeit Interessierten auf, sich dorthin zu wenden.
Gegenüber dem STANDARD sagte Ivanceanu, ein wichtiges
erstes Ziel sei nun, die Grazer Stadtpolitiker für das Projekt
zu gewinnen: "Das Festival soll in Graz stattfinden, nicht
zuletzt wegen der langjährigen Unterstützung der Stadt
und des großartigen Grazer
Publikums." (irr/DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2003)
Beratungen in GrazVorerst keine einheitliche Position gibt es zu dieser Frage in Graz. Kulturstadtrat Christian Buchmann (ÖVP) hatte sich gegen die Abhaltung und Subventionierung einer zweiten Veranstaltung ausgesprochen und geäußert, er könne sich vorstellen, dass die Stadt für die Diagonale 04 rund 209.000 Euro bereitstellt (die Summe von 2003); mehr sei nicht machbar.
Der Vorsitzende des Grazer Kulturausschusses, SPÖ-Klubchef Karl-Heinz Herper, erinnerte hingegen an die Möglichkeit eines
Mehrheitsbeschlusses im Stadtrat "gegen die Morak-Diagonale und für die Diagonale der Filmproduzenten" - den die
Sozialdemokraten mit Unterstützung der Grünen und der KPÖ fassen könnten. Mitte Dezember soll im betreffenden Budgetkapitel einen Abänderungsantrag eingebracht werden: "Wenn es keine Doppelförderung gibt und die ÖVP auf ein Entweder-Oder besteht, sind wir für das Oder". (hcl/APA)