Streitgebaren, geschlechterspezifisch

23. Oktober 2003, 22:09
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Studie: Wenn sich Frauen unterlegen fühlen, geben sie seltener Kontra als Männer - Bei Kraftausdrücken weniger Zurückhaltung

Bonn/London - Frauen in Großbritannien schimpfen und beleidigen genau so drastisch wie Männer - allen Klischees über weibliche Zurückhaltung und Diplomatie zum Trotz. Beim Streiten nehmen sie Kraftausdrücke sogar öfter in den Mund als Männer, wie die Bonner Anglistin Ruth-Maria Roth in einer am Donnerstag vorgestellten Studie herausfand. 25 Prozent der Frauen, die auf eine Provokation reagierten, feuerten eine handfeste Gegenbeleidigung ab, bei den Männern waren es nur 15 Prozent.

Wenn Frauen attackieren, dann tun sie es besonders deutlich, das ergab die Befragung von mehr als 200 Studentinnen und Studenten in Großbritannien. "Piss off, you fucker!", "Arsehole!" und "Bastard!" waren geläufige Antworten, wenn sich Frauen belästigt oder beleidigt sehen.

Die Ergebnisse seien wegen der ähnlichen Kultur weitgehend auf Deutschland übertragbar, vor allem für die untersuchte Altersgruppe von StudentInnen, erläuterte die 26-jährige Anglistin.

Kein Kontra

Ist damit also die Emanzipation im Bereich der Sprache geschafft? Offenbar nicht. "Wenn sich Frauen unterlegen fühlen, lassen sie eher davon ab, Kontra zu geben", sagte Roth. So will rund ein Fünftel der weiblichen Befragten eine Beleidigung lieber im Raum stehen lassen, als verbal zurückzuschlagen. Die Männer ließen Angriffe seltener auf sich sitzen: Mehr als ein Drittel kontere direkt, allerdings ohne unbedingt zu beleidigen. Stattdessen gäben Männer öfter eine ironische Antwort oder nähmen der Beleidigung mit einem Scherz die Spitze.

Es könnte auch die Tendenz der Frauen, härter zurückzuschlagen, dafür sprechen, dass sie sich öfter unterlegen fühlen. Sie sähen sich mehr als Männer gezwungen, ihre Machtposition durch eine unmissverständliche Antwort mit Schimpfwörtern zu verbessern. "Die Fähigkeit, eine Beleidigung ironisch zu parieren oder sogar abtropfen zu lassen, ist doch meist viel souveräner", erklärte Roth. Nur wenn sich die Streitenden in den vorgegebenen Testsituationen gut kannten, hätten viele Frauen dagegen gehalten.

Schimpf-Dissertation

Über Beleidigungen ist in den Sprachwissenschaften bisher kaum ein Wort verloren worden. Verbale Reaktionen mit Fragebögen abzuklopfen, sei methodisch schwierig, berichtete Klaus Schneider, Anglistik-Professor an der Universität Bonn, der die Arbeit betreute, für die Ruth-Maria Roth mit dem Queen's Prize der Bonner Universität ausgezeichnet wurde. Der jährlich vergebene Preis wurde im Jahr 1965 von der britischen Königin Elizabeth II. für hervorragende Forschungsarbeiten im Fach Anglistik gestiftet. Für eine mögliche spätere Promotion denkt Roth über einen Ländervergleich zwischen deutschem und spanischem Schimpfen nach. (APA)

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    Eine Anglistin aus Bonn untersuchte Streitgebaren bei Britinnen und Briten: Frauen schimpfen mehr.
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