"Wir sind nicht der böse Kapitalist, der über dem Recht steht"

14. Dezember 2003, 20:16
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Herold übt im Gespräch mit dem WebStandard heftige Kritik an Kampagne der ARGE Daten

Die seit Monaten andauernde Diskussion rund um die Verletzung von Privatsphäre und Datenschutz durch die kommende "Herold Marketing CD private" trübt seit einiger Zeit die Stimmung bei der Herold Business Data GmhB & Co.KG. Nach der Nominierung für den Big Brother Award (der WebStandard berichtete) meldet sich das Unternehmen nun zu Wort. Der WebStandard konnte ein Gespräch mit Margit Kaluza-Baumruker und Barbara Hackl, zuständig für Unternehmenskommunikation bei Herold, führen.

"Die Spirale der Fehlinformationen"

"Die Spirale der Fehlinformationen hat sich stetig gedreht, leider auch vielfach unreflektiert in den Medien, und so wollen wir mit einigen Falschmeldungen der letzten Zeit aufräumen", so Barbara Hackl am Beginn des Gesprächs über die Vorwürfe der ARGE Daten gegen Herold. "In der großen öffentlichen Diskussion wird vergessen was die "Herold Marketing CD private" eigentlich ist - ein Marketinginstrument - nicht mehr. Es ist auch nichts, was in Österreich nicht schon Gang und Gebe ist. Direct Marketing wird vor allem von Großunternehmen oder auch von politischen Parteien betrieben. Adressverlage bieten einen Datensatz zu einem Preis an, den sich nur große Unternehmen leisten können, Herold bietet vier Millionen Daten zum Preis von 3500 Euro an und macht Direkt Marketing somit auch für Klein- und Mittelbetriebe erschwinglich. Wir leisten somit auch einen Dienst an der österreichischen Wirtschaft", so Hackl weiter.

"Wir haben es satt"

"Private Unternehmen dafür zu hängen, was rechtlich legitim und in Österreich Gang und Gebe ist, kann ja nicht sein. Wenn die Menschen kein Direct Marketing wollen, dann reicht es, wenn Sie sich auf die Robinson Liste setzen lassen oder bei unpersönlichen Wurfsendungen Sticker an den Briefkasten kleben. Die Diskussion muss auf einer anderen Ebene geführt werden, wenn Adressverlage und zielgruppenorientierte Werbung abgeschafft werden soll, dann müssen die Gesetze geändert werden. Wir haben es satt, dass Herold der Verletzung der Privatsphäre oder anderer rechtlicher Verfehlungen bezichtig wird", so Margit Kaluza-Baumruker.

Die Vorwürfe

Das Fass zum Überlaufen brachte die am Mittwoch veröffentlichte Liste der Nominierten für die Big Brother Awards 2003. In der Presseaussendung der Big Brother-Jury fand sich zur Nominierung von Herold folgende Passage: "Die Firma Herold - Namen, Adresse, Haushaltsstand, Einkommen: alles auf einer im Handel erhältlichen CD und alles ohne Ihre Zustimmung. Wer sich löschen lassen will, muss neue Daten bzw. Dokumente vorlegen". "Wir haben daraufhin ein Mail an die Jury gesendet und die Mitglieder darauf hingewiesen, dass wesentliche Kritikpunkte nachweislich falsch sind: So wird es auf der Herold Marketing CD private überhaupt keine Angaben zum Einkommen geben. Bei der Definition einer Zielgruppe kann man lediglich als ein Selektionskriterium zwischen drei Kaufkraftklassen wählen. Es wird nicht möglich sein, nach Einzelpersonen zu suchen beziehungsweise sich Daten zu Einzelpersonen anzeigen zu lassen. Schließlich handelt es sich hierbei um kein Instrument zum Ausspionieren, sondern um ein Marketinginstrument zur professionellen Selektion von Zielgruppen. Das heißt: Ich kann eine Zielgruppe definieren, die alle Singles im Raum Mödling mit Kaufkraftklasse I umfasst. Ich kann aber nicht nachsehen, ob Herr Huber Single ist und welcher Kaufkraftklasse er angehört".

"Auch ist die CD noch gar nicht im Handel. Derzeit wird der Prototyp von der Datenschutzkommission geprüft, und man weiß noch gar nicht, wie die CD, die dann verkauft werden wird, tatsächlich aussehen wird und in den Handel kommt sie schon gar nicht. Die "Herold Marketing CD private" wird nur bei Herold direkt erhältlich sein, und das mit einer ganzen Reihe von Einschränkungen und Sicherheitsmaßnahmen, damit sogar diese bloßen Gruppendaten wirklich nur für den vorgesehenen Zweck verwendet werden können. Auch der Punkt mit der Streichung der Daten stimmt so nicht. Es wird behauptet, man müsse "neue Daten hergeben, um sich streichen zu lassen". Auch das ist falsch: es genügt ein bloßer Anruf. Richtig ist allerdings, dass wir in den ersten Tagen einen Nachweis der Identität verlangt haben, weil wir verhindern wollten, dass jemand andere Leute ohne deren Wissen streichen lassen kann.

In der Diskussion hat sich aber gezeigt, dass es den Menschen wichtiger ist, dass die Streichungen rasch und unbürokratisch durchgeführt werden. Wir haben das sofort berücksichtigt und dahingehend berichtigt, dass für Streichungen nur Name und Adresse angegeben werden müssen (Dies kann man per Telefon, Fax oder E-Mail tun). Für Auskünfte über die eigenen Daten muss man sich natürlich wie bisher auch weiterhin ausweisen", so Unternehmenssprecherin Kaluza-Baumruker.

Mangelnde Information der Kritiker

Ein Punkt, der Hackl und Kaluza-Baumruker besonders schwer verständlich ist, ist die mangelnde Information der Kritiker. "Wir sehen, dass die Konsumenten für dumm gehalten werden. Die ARGE Daten behauptet, dass die Streichung von der Marketing CD ein wichtiger Schritt zum Schutz der Privatsphäre ist. Die Marketing-CD ist aber ein Marketing-Tool und kein Spionagegerät", so Hackl.

In einer Kettenmail heißt es, wir würden Telefonnummern und Mailadressen für das "spätere Spamming" sammeln und verkaufen. Die CD wird aber weder Telefonnummern, noch Mailadressen enthalten. Enthalten sind Name und Wohnadresse - das sind Daten, die definitiv und zweifelsfrei frei verfügbar sind. zusätzlich gibt es Selektionskriterien wie Kaufkraftklasse oder Altersgruppe, die zur Bestimmung von Zielgruppen herangezogen werden. Die Daten dazu stammen von dm-plus und beruhen auf statistischen Verfahren für die auch Daten der Statistik Austria herangezogen wurden. Wenn ein Mann in einer großen Wohnung im ersten Bezirk wohnt, Single ist und keine Kinder hat, dann kann man statistisch davon ausgehen, dass er in Kaufkraftklasse 1 einzuordnen ist, auf die Bonität können daraus keine Rückschlüsse gezogen werden", so Margit Kaluza im Gespräch.

Scharfe Kritik an Hans Zeger

"Wir haben uns lange überlegt, wie wir auf diese Schmutz-Kampagne der ARGE Daten vorgehen sollen. Herold hat ein absolut tolles Image und war immer ein Quality Adress Provider, doch durch diese Kampagne wird der gute Ruf besudelt. Herr Zeger veröffentlicht auf seiner Webseite Mailadressen und Handy-Nummern unserer Mitarbeiter und ruft zum Herold-Spamming auf. Er darf also scheinbar so vorgehen, wie er es bei seinen Gegner kritisiert. Auch die Nominierung Zegers für die Big Brother Awards (Friedrich Bock, Pensionist und Obmann des Fachverbands Unternehmensberatung und Informationstechnologie, hatte Zeger - laut Bericht von Medianet - wegen Verletzungen des Datenschutzes im Rahmen seiner ARGE Daten-Tätigkeit nominiert; Anm. d. Red.), spricht für sich. Wir wollten uns nicht auf das Niveau des Herrn Zeger begeben, doch noch ist es an der Zeit, dass die Wahrheiten auf den Tisch kommen", so Hackl und Kaluza-Baumruker einstimmig. "Bereits am 12. August dieses Jahres gab es eine Pressekonferenz von Herold auf der die CD erstmals als Projekt präsentiert wurde. Auch die ersten Medienberichte waren neutral – wie auch bei anderen Marketingtools", so Hackl.

Schriftverkehr seit August

Seit August gibt es auch einen Schriftverkehr zwischen Herold und der ARGE Daten (dieser liegt dem WebStandard vor). "Am 18.8. haben wir Herrn Zeger zu einem persönlichen Termin in die Mödlinger Zentrale eingeladen, damit er sich von der Konformität des Produkts mit dem Datenschutzgesetz überzeugen kann. Statt einer Antwort hat sich Herr Zeger dann via Medien zu Wort gemeldet, Kritik geübt und erklärt, dass die ARGE Daten beziehungsweise deren Mitglieder Herold ihre Mitarbeiter an der Marketing CD anbieten. Daraufhin kontaktierten wir Herrn Zeger am 22. August per Mail und baten um Zusendung der angesprochenen Unterstützungsmöglichkeiten".

"Am 26. August kam dann ein Brief auf dem Firmenbriefpapier der Firma 'e-Commerce monitoring GmbH', die denselben Firmensitz wie die ARGE Daten hat und an der Herr Zeger beteiligt ist, mit einem Kostenvoranschlag für eine Evaluation. In diesem Brief wird auch eine gemeinsame Presseerklärung von Herold/ARGE Daten in Aussicht gestellt. Auf dieses Angebot haben wir nicht reagiert und so kam am 4. September ein Mail – diesmal wieder mit Absender ARGE Daten – indem Herr Zeger die Einladung vom 18. August wahrnehmen wollte. Nach dieser Vorgehensweise haben wir jedoch von einem Treffen wieder Abstand genommen", so Hackl weiter.

"Quantensprung im Datenschutz"

"Im Vergleich zu anderen Anbietern, bieten wir einen echten Quantensprung im Datenschutz", so Hackl weiter. "Wir haben bei der Marketing- CD ein obligatorisches Update installiert. Nach dem Gesetz haben Unternehmen eine 8-Wochen-Frist um Konsumenten aus ihren Adresslisten zu löschen, durch das obligatorische Update wird diese Frist genau eingehalten. Wenn ein Kunde die Updates nicht regelmäßig installiert, kann auch die Marketing CD nicht mehr genutzt werden". Und Kaluza-Baumruker sieht in der Herold Marketing CD auch einen großen Nutzen für die Konsumenten: "Wo ist denn der Schaden, wenn eine Großmutter endlich einmal keine Werbung für Windeln bekommt? Direct Marketing wird auch von den Konsumenten gewünscht. Anders wären etwa die Erfolge der Unternehmen mit ihren Kundenkarten nicht zu erklären. Die Menschen wollen über Sonderangebote von Produkten ihres Interesses informiert werden".

"Der böse Kapitalist"

"Wir sind auch nicht der böse Kapitalist, der alle ausbeutet und über dem Recht steht. Wir sind Informationsprovider und wollen keine linken Dinger machen, sondern im Rahmen der Gesetze in Österreich handeln. Auch die Marketing CD entspricht den rechtlichen Vorgaben. Allerdings haben wir kein Problem mit gerechtfertigter Kritik der Datenschützer und wenn die Datenschutzkommission findet, dass manche Punkte nicht entsprechen oder noch verbesserungswürdig sind, dann werden wir diese Mängel beheben. Wir sind sehr optimistisch, dass die Kommission zu unseren Gunsten entscheiden wird und wann diese Entscheidung fällt, ist nebensächlich. Besser sie prüfen eine Woche länger, als dass dann noch Unklarheiten auftreten", so Kaluza-Baumruker.(red)

  • Artikelbild
    foto: herold
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