Weichenstellen für erfolgreiche Zukunft

27. Oktober 2003, 09:52
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Mit Trainingsgruppe "WC 4" soll Österreichs Vormachtstellung im Gesamtweltcup abgesichert werden

Sölden/Wien - Mit der Gründung der neuen Trainingsgruppe "WC 4" ("Weltcup - 4 Disziplinen") hat der Österreichische Ski-Verband (ÖSV) im Frühjahr 2003 die Weichen Richtung Zukunft gestellt. "Wir wollen langfristig die Ski-Nation Nummer eins bleiben. Die Gründung dieser Gruppe war ein wichtiger Schritt in diese Richtung", betont Alpinchef Hans Pum. Trainiert wird das exklusive Allrounder-Quintett Christoph Gruber, Hermann Maier, Benjamin Raich, Mario Scheiber und Michael Walchhofer von Andreas Evers und seinem "Co" Christian Höflehner.

Nachfolger gesucht

Herren-Chef Toni Giger war dieses Unterfangen schon mehrere Jahre ein riesengroßes Anliegen gewesen. Ein Blick auf die Altersstruktur im "Power-Team" bezüglich der Allrounder gibt Giger recht: Eberharter ist 34, Hans Knauß 32 und der "Herminator" wird im Dezember 31 Jahre "jung". "Unsere Allrounder sind allesamt 30 Jahre und älter. Wir müssen dafür sorgen, dass wir auch in der Zeit nach Eberharter und Maier echte Siegläufer haben", erklärt der Salzburger und spricht Läufer wie Raich (25), Gruber (27), Walchhofer (28), Scheiber (20) oder Hannes Reichelt (23) an.

Leicht erschütternde Statistik

Auch Evers sah echten Handlungsbedarf gegeben. "Denn wenn man die Siege des Steff im Vorjahr wegrechnen würde, dann schaut's gar nicht so gut aus. Hinter ihm klaffte ein großes Loch", analysiert der langjährige Maier-Privattrainer. Auch hier genügt ein kurzer Blick auf die Statistik aus dem Vorjahr: von 15 ersten Plätzen der ÖSV-Herren hatte alleine Eberharter neun Stück eingefahren, und für die drei Herren-"Kugeln" sorgte der Zillertaler überhaupt im Alleingang.

Basislager "WC 4"

Die "WC 4" gilt also als echtes Basislager für die neuen ÖSV-Superstars, die sich jedoch ihren Status hart erarbeiten müssen. Denn angesichts der brisanten Startplatz-Knappheit innerhalb des ÖSV gilt die Zugehörigkeit zur "WC 4" keinesfalls als Freifahrtsschein. "Diese Leute müssen sich in ihren Spezialdisziplinen etablieren und beweisen, dass sie schnell sind. Erst dann wird es einen gewissen Bonus geben", stellt Giger klar.

Raich und Walchhofer ante portas

Als Musterbeispiele gelten der im Speedbereich hart arbeitende Techniker Raich sowie Abfahrtsweltmeister Walchhofer, der sich wieder im Slalom und Riesentorlauf etablieren möchte. Beide werden so wie auch Teamkollege Gruber bereits heuer als Geheimfavoriten für den Gesamt-Weltcup gehandelt. Derzeit ist bei allen Beteiligten aber noch Tiefstapeln angesagt.

Raich: "Nicht unter Druck"

"Natürlich will ich es machen. Es gibt aber so viele, die vor mich zu reihen sind. Ich setze mich da überhaupt nicht unter Druck und rechne nicht damit. So etwas muss einem passieren, das kann man nicht planen", meint Raich, der aber hinzufügt: "Die Grundvoraussetzungen dafür müssen geschaffen werden, und das mache ich derzeit." Raich macht seiner Ansicht nach bereits Fortschritte in Abfahrt und Super-G. "Die Frage ist nur, ob ich das ganze im Wettkampfstress umsetzen kann."

Walchhofer: "Überraschend gut gelaufen"

Walchhofer hat sich in Neuseeland auf den Slalom-Skiern äußerst wohl gefühlt. "Es ist überraschend gut gelaufen", erzählt der baumlange Salzburger, dem die neue 1,65-m-Regel im Slalom auf Grund seiner Größe entgegen kommt. Vom Gesamt-Weltcup will Walchhofer aber noch nichts wissen: "Von den Favoriten bin ich noch weit weg. Langfristig ist der Gesamt-Weltcup aber sicher ein Thema. Stress mache ich mir dabei aber sicher keinen."

"Kein Honiglecken"

Auch die Trainer nehmen jeglichen Druck von den Allroundern der Zukunft. "Das Thema Gesamtweltcup ist für heuer vielleicht doch noch etwas verfrüht. Sie müssen sich festigen", erklärt Alpinchef Pum. Und Giger sieht es ähnlich: "Sie müssen sich erst einmal in ihren Spezialdisziplinen etablieren. Alleine das wird schon kein Honiglecken." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Stephan Eberharter riskierte einen Blick durch die Gesamt-Weltcup-Kugel.

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