Schwere Vorwürfe gegen finnischen Rechtspopulisten Halme

24. Oktober 2003, 17:43
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Staatsanwaltschaft erhebt Anklage wegen Waffendelikten, Medikamentenschmuggels und alkoholisierten Autolenkens

Helsinki - Die finnische Staatsanwaltschaft hat beschlossen, gegen den rechtspopulistischen Parlamentsabgeordneten Tony Halme im Zusammenhang mit einem Vorfall mit Schusswaffengebrauch Anklage zu erheben. Wie ein Vertreter der Staatsanwaltschaft am Donnerstag laut finnischer Nachrichtenagentur STT mitteilte, werden gegen den Politiker und Ex-Profiboxer schwere Vorwürfe erhoben. Die Anklagepunkte umfassen Gefährdung von Menschenleben, unerlaubten Waffenbesitz, Schmuggel von Medikamenten, Drogenmissbrauch sowie Inbetriebnahme eines Fahrzeugs unter Alkoholeinfluss.

Abgeordneter der Kleinpartei "Wahre Finnen"

Halme, der für die rechtspolpulistische Kleinpartei "Wahre Finnen" (Perussuomalaiset) seit März im finnischen Parlament sitzt, hatte Anfang Juli in seiner Wohnung einen Schuss aus einer Handfeuerwaffe abgegeben. Seine Frau flüchtete aus der Wohnung. Die durch die Nachbarn alarmierte Polizei fand Halme in bewußtlosem Zustand vor. Der Politiker war - vermutlich infolge von Drogen- und Alkoholmissbrauch - wochenlang nicht ansprechbar. Halme hatte davor in Finnland mit markigen Sprüchen gegen Ausländer und einer Verbalattacke gegen Präsidentin Tarja Halonen für Aufsehen gesorgt. Bei den Wahlen erhielt Halme landesweit die viertmeisten Vorzugsstimmen.

In einer ersten Reaktion auf die Anklageerhebung sagte der Chef der "Wahren Finnen", Timo Soini, es gebe vorläufig seitens der Partei keine Konsequenzen. Er wolle die Gerichtsentscheidung abwarten, man solle nicht "überdramatisieren", so Soini. Die "Wahren Finnen" stellen derzeit drei Abgeordnete im 200-sitzigen finnischen Parlament (Eduskunta). (APA)

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