Allianz verkauft 40-prozentigen Beiersdorf-Anteil an Tchibo

29. Oktober 2003, 16:45
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Kaffee-Röster will sich mit 49,9 Prozent begnügen

München - Die wochenlangen Spekulationen um die Zukunft des deutschen Kosmetik-Herstellers Beiersdorf haben ein Ende: Der deutsche Versicherungskonzern Allianz verkauft 40 Prozent seiner Anteile an dem Hamburger Unternehmen an eine Investorengruppe unter Führung der Tchibo-Holding AG. Dies teilten die Allianz und Tchibo am Donnerstag in München und Hamburg übereinstimmend mit. Die Käufer zahlen demnach insgesamt rund 4,4 Mrd. Euro für den Anteil, 130 Euro pro Aktie. Der Durchschnittskurs der vergangenen zwölf Monate liegt bei 107,75 Euro. Beiersdorf werde ein eigenständiges Unternehmen bleiben, betonte Tchibo-Vorstandschef Dieter Ammer. Der Verkauf muss noch durch die Kartellbehörden genehmigt werden.

Tchibo stockt mit dem Kauf seinen Anteil von derzeit 30,3 auf künftig 49,9 Prozent auf. Der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble, der bis zuletzt sein Interesse bekundet hatte, kam damit nicht zum Zuge. Zur Finanzierung will Tchibo nach den Worten Ammers neben dem vorhandenen Bargeld voraussichtlich erstmals in seiner Geschichte einen geringen Bankkredit aufnehmen. Die Hamburger seien dazu mit zahlreichen Instituten im Gespräch, sagte der Vorstandschef.

Aktienrückkaufprogramm

Weitere Anteile in Höhe von zehn Prozent werde die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsverwaltung (HGV) bekommen. Drei Prozent übernehme die Alters- und Hinterbliebenenstiftung der Beiersdorf AG (TROMA). Im Rahmen eines Aktienrückkaufprogramms sollen weitere 7,4 Prozent der Beiersdorf AG angeboten werden. Die Allianz hält derzeit noch 43,6 Prozent an dem Hersteller von Marken wie "Nivea", "Hansaplast" oder "tesa". Nach dem Verkauf der Anteile bleiben ihr noch 3,6 Prozent. Über ein von der Hauptversammlung bereits genehmigtes Rückkaufprogram will Beiersdorf den Anteilseignern eine Prämie zahlen. Einzelheiten dazu seien aber noch nicht entschieden.

Mit dem Erwerb der Anteile durch Tchibo gehe für Beiersdorf und die Mitarbeiter eine Phase der Unsicherheit zu Ende, sagte der Chef des Kaffee-Rösters. Tchibo strebe derzeit keine Mehrheit an dem Nivea-Hersteller an, betonte er. Das Hamburger Unternehmen sei seit gut 30 Jahren bei Beiersdorf engagiert und glaube an dessen Zukunft. Tchibo sei als mittelständische, nicht börsennotierte Firma nicht auf dicke Bilanzsummen angewiesen. Der Beteiligungsanteil könne daher in den kommenden Jahren durchaus schwanken.

Allianz-Aktie legt zu

Tchibo ist einer der größten deutschen Einzelhändler mit einem Umsatz von rund 3,1 Mrd. Euro jährlich und mehr als 10.000 Mitarbeitern. Mit den neuen Anteilen an Beiersdorf werde die Holding acht Milliarden Euro Umsatz erwirtschaften, sagte Ammer. Die Zahl der Mitarbeiter werde auf gut 27.000 steigen.

An der Deutschen Börse in Frankfurt legte die Allianz-Aktie nach Bekanntwerden des Verkaufs gegen einen schwächeren Gesamtmarkt um rund einen Euro auf 81,47 Euro zu. Die Beiersdorf-Aktie dagegen stürzte, nachdem offenkundig die Fantasien um eine eventuelle Übernahmeschlacht mit dem US-Konzern Procter & Gamble geplatzt sind, um über 7 Prozent auf 100 Euro ab.(APA/AP/Reuters)

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