Medientage München: Deutsche Verleger uneins über Pressefusionsrecht

31. Oktober 2003, 14:28
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Regionale Verleger sehen es als Schutz, große Konzerne kritisieren es als unzeitgemäß

Auch wenn die konjunkturelle Talsohle bald durchschritten sein mag, setzt die deutsche Printmedienbranche für die Zukunft auf vorsichtiges Agieren und erwartet weitere strukturelle Umbrüche. Dies wurde beim "Print-Gipfel" bei den Münchner Medientagen am Donnerstag deutlich. Uneinig sind sich Verleger in Deutschland in der Debatte um das Pressefusionsgesetz, die rund um den Berliner Zeitungsmerger in Gang gekommen ist.

Für die regionalen Zeitungsverleger warnte Hermann Balle, Verleger des "Straubinger Tagblatts" und Vorsitzender des Bayerischen Zeitungsverbands, vor einer Änderung des Gesetzes. Die regionalen und lokalen Zeitungsverlage garantierten eine "unvergleichliche Vielfalt", die durch eine Lockerung der Fusionsbestimmungen akut gefährdet sei.

Anderer Ansicht ist man beim WAZ-Konzern. Richard Kiessler, Chefredakteur der Neuen Ruh/Rhein-Zeitung bezeichnete eine Änderung des Pressekartellrechts als "Notwendigkeit". Werde diese einmal realisiert, "wird es eine Konzentrationswelle in Deutschland geben", so seine Prognose.

"A la longue" gar keine Zukunft für Regional- und Lokalzeitungen sah "Zeit"-Chefredakteur Michael Naumann. Auch wenn sich die Konjunktur erhole, habe man den Rubrikenmarkt - also etwa Auto- und Stellenanzeigen - an das Internet verloren. Regionale Titel aber lebten davon. Auch für Naumann ist daher das derzeitige deutsche Pressefusionsrecht für "nicht zukunftsfähig". (APA)

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