"Fliegender Kugelschreiber" landete zum letzten Mal

27. Oktober 2003, 09:58
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Tausende Schaulustige versammelten sich in London um das ohrenbetäubend laute Flugzeug einschweben zu sehen

London - Der letzte offizielle Flug der Concorde ist am Freitag in London zu Ende gegangen. Mit dem etwa dreieinhalb Stunden langen Trip in doppelter Schallgeschwindigkeit von New York endete nach 34 Jahren die Ära des "fliegenden Kugelschreibers". Tausende Schaulustige sahen am Londoner Flughafen Heathrow zu, wie das elegante Flugzeug mit ohrenbetäubender Lautstärke einschwebte.

Ehrengäste an Bord

An Bord befanden sich überwiegend Ehrengäste wie "Denver-Biest" Joan Collins oder Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Chefpilot Mike Bannister hatte unmittelbar vor dem Abflug in New York unter Tränen gesagt: "Wir überqueren den Atlantik mit doppelter Schallgeschwindigkeit, zwei Mal so schnell wie eine Gewehrkugel, schneller als sich die Erde dreht, und die Welt schaut zu."

British Airways und Air France hatten sich aus Kostengründen zur Einstellung ihrer Concorde-Flüge entschieden. Der Concorde-Verkehr war bereits vorübergehend eingestellt worden, nachdem im Juli 2000 beim Absturz einer Air-France-Maschine bei Paris 113 Menschen ums leben kamen. Die Sicherheit wurde danach verbessert. Doch die Prestige-Maschinen flogen nur Verluste ein.

Concorde gehöre zu England wie die Königliche Familie

"Jeder ist unglaublich stolz auf ihre Erfolge und traurig, dass wir jetzt Abschied nehmen müssen", bekannte der Vorsitzende der British Airways, Lord Marshall, beim Verlassen von New York. Die Concorde gehöre zu England wie die Königliche Familie, sagte Flugzeug-Enthusiast Jon Pitman aus Bristol, der den ganzen Tag in Heathrow auf den Jet gewartet hatte: "Sie sieht so toll aus, sie klingt so unglaublich, sie erfüllt einen Menschheitsraum."

Ein Mythos und Spitzenprodukt der Technologie war die Concorde von Beginn an - aber auch ein wirtschaftliches Fiasko. Ihr Schicksal war mit dem Absturz in Paris im Juli 2000 endgültig besiegelt. Bei der Katastrophe kamen 113 Menschen ums Leben. Knapp drei Jahre später, im April, gaben die britische Fluggesellschaft und Air France das Aus des Mach-2-Jets bekannt.

Während des letzten Fluges ließen sich die 100 Ehrengäste und drei zahlenden Passagiere an Bord mit Champagner und geräuchertem Lachs aus Schottland sowie Kaviar und Hummernockerln verwöhnen. Anrainer des New Yorker Kennedy-Flughafens stießen ihrerseits am Boden auf das Ende des "Donnervogels" an.

Gegener

"Auf dass sie nie wiederkommen möge", riefen Hunderte dem entschwindenden Überschallflieger hinterher. Nach Aussage der Betroffenen hatte die Concorde Tag für Tag ihre Worte erstickt, den Alarm in ihren Häusern ausgelöst und die Tische in den Schulen so stark vibrieren lassen, dass "den Kindern der Bleistift aus der Hand fiel".

Nur drei Passagiere bezahlten für den historischen Flug, darunter ein Amerikaner, der sein Ticket angeblich nichts ahnend schon vor Monaten erworben hatte. Die beiden anderen Plätze waren von einem Mann aus Ohio bei einer Wohltätigkeitsauktion im Internet für 60.300 Dollar (etwa 51.000 Euro) ersteigert worden.

In London rollte die Concorde in einen Hangar, wo schon mehrere weitere Flieger desselben Typs warten. Sie sollen ihren "Ruhestand" in Museen auf der britischen Insel und den USA verbringen. Am Abend gab es eine Abschiedsparty für das Concorde-Personal. (APA)

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    Ende einer Ära nach 34 Jahren

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