Helmut Newton und Berlin wurden einig

23. Oktober 2003, 13:26
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Stiftung Preußischer Kulturbesitz erwarb mehr als tausend Fotografien als unbefristete Dauerleihgabe

Berlin - Mehr als tausend Werke des für seine fragwürdigen Erotica bekannten Starfotografen Helmut Newton sind ab Juni kommenden Jahres dauerhaft in Berlin zu sehen. Mit der Vertragsunterzeichnung am Mittwoch in seiner Heimatstadt Berlin übergab der 82-Jährige sein umfangreiches Archiv der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ausgestellt werden sollen die Fotografien in wechselnden Ausstellungen in der ehemaligen Kunstbibliothek am Bahnhof Zoo. Newton kündigte an, das wilhelminische Gebäude auf eigene Kosten renovieren zu lassen.

Im kommenden Frühsommer soll in fünf Räumen auf 850 Quadratmetern Fläche ein Teil der großformatigen Bilder präsentiert werden. Er wolle nie zuvor in Deutschland gezeigte Werke ausstellen, darunter selbstverständlich auch bisher unbekannte Porträts von Nackten, sagte Newton, der 1920 in Berlin als Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten geboren wurde und 1938 vor den Nazis nach Singapur fliehen musste. Darüber hinaus sollen sein Frühwerk, unter anderem seine Arbeiten für die Zeitschrift "Vogue", und Arbeiten seiner Frau June gezeigt werden. Im Mittelpunkt stehen jedoch die Porträtfotografie und der Themenkomplex "Sex and Landscapes".

In regelmäßigen Abständen sollen internationale Stars der Foto-Szene für Vorträge eingeladen werden, wie Newton ankündigte. Auf diese Weise solle in dem Ausstellungshaus, das er keinesfalls als Museum bezeichnet wissen möchte, eine lebendige Diskussion zwischen den besten Fotografen weltweit entstehen.

Grundstein für ein nationales Zentrum

Bundeskanzler Gerhard Schröder dankte dem Ehepaar Newton in einem Schreiben, das Kulturstaatsministerin Christina Weiss verlas, und bezeichnete ihre Entscheidung für Berlin als "Zeichen der Versöhnung". Man könne Menschen aus ihrer Heimat verjagen, aber die Heimat nicht aus der Seele reißen, schrieb Schröder. Weiss sagte, nun sei "der Grundstein für ein nationales Zentrum für Fotografie" gelegt. Die Dauerleihgabe sei ein "Glücksfall für die Hauptstadt". Nun müsse der "unglaubliche Schatz" mit den rund zehn Millionen Fotoabzügen und Negativen, die in den Depots der Staatlichen Museen zu Berlin lagerten, endlich gehoben werden.

Die Staatlichen Museen sollen die als unbefristete Dauerleihgabe überlassene Sammlung betreuen, wie Stiftungs-Präsident Klaus-Dieter Lehmann sagte. Den Unterhalt des Ausstellungshauses will die Stiftung durch Eintrittsgeld und Verpachtung eines Buchladens erzielen. Darüber hinaus sollen die zwei weiteren Etagen des Hauses zum Aufbau eines Fotografie-Zentrums genutzt werden.

Nach dem Tod des Ehepaars solle die Stiftung Preußischer Kulturbesitz den gesamten Nachlass erhalten, sagte Newton. Zuletzt waren Werke des Künstlers in Berlin vor rund drei Jahren in einer Ausstellung der Neuen Nationalgalerie zu sehen. Newton lebt seit den 80er Jahren abwechselnd in Monte Carlo und Los Angeles. Bekannt wurde der umstrittene Fotograf vor allem durch Bilder von nackten Frauen und als Modefotograf. (APA/AP)

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    Preußens Gloria

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