FC-Tirol-Prozess um offene Spielergehälter fortgesetzt

27. Oktober 2003, 09:38
posten

Brzeczek: "Bruckmüller verwies auf seine private Lebensversicherung"

Innsbruck - Mit dem vierten Verhandlungstag wurde am Donnerstag der Prozess rund um die spektakuläre Pleite des FC Tirols vor dem Landesgericht Innsbruck fortgesetzt. Vor dem zuständigen Arbeitsrichter Johann Bergmann sagten diesmal die Ex-Spieler Markus Anfang, Marc Ziegler, Reinhold Harasser, Robert Ibertsberger, Andi Schiener, Jerzy Brzeczek, Markus Scharrer und Wolfgang Mair aus.

Alle acht Kicker betonten, dass sie nie über die prekäre finanzielle Lage des Vereins informiert wurden, dass sie erst kurz vor dem Entzug der Lizenz über die Schwierigkeiten informiert wurden. Jerzy Brzeczek schilderte, dass im Trainingslager im Jänner 2002 im deutschen Bad Göttingen Präsident Othmar Bruckmüller vor die Mannschaft trat und persönlich für die Spielergehälter garantierte: "Auf die Frage, was passiere, wenn Bruckmüller etwas zustößt, sagte er, er habe eine private Lebensversicherung, daraus würden in diesem Falle alle Zahlungen erfolgen."

Wolfgang Mair gab an, dass es bereits im Frühjahr eine schriftliche Haftungserklärung von Othmar Bruckmüller gab: "Diese Erklärung mit Datum 14. Mai 2001 wurde auch am Schwarzen Brett in unserer Kabine aufgehängt." Weiters sagte Mair, dass der damalige Präsident Martin Kerscher im Sommer 2001 vor dem CL-Qualifikations-Rückspiel gegen Lok Moskau in Seefeld vor die Mannschaft trat und erklärte: "Das Budget für die kommende Saison ist gesichert. Alle offenen Gehälter und Prämien werden in Zukunft pünktlich bezahlt. Wenn es sein muss, aus der eigenen Tasche."

Reinhold Harasser sagte, dass Bruckmüller im März 2002 am Hafnersee in Kärnten vor die Mannschaft trat und zusagte, der Fortbetrieb sei gesichert: "Er sagte, solange er Präsident sei, brauchen wir uns wegen unserer Gehälter keine Sorgen zu machen. Das Budget für die kommende Saison sei abgesichert. Für die laufende Saison werde sogar ein Plus von fünf Millionen Schilling erwartet." Tatsächlich schlitterte der FC Tirol im Juni 2002 in die Pleite. Der Verein FC Tirol (ohne Global, ohne Marketing) hat einen Schuldenstand von 35 Millionen Euro.

Der Prozess wird am 17. und 18. Dezember dieses Jahres mit den Einvernahmen der Beschuldigten Othmar Bruckmüller, Martin Kerscher und Hansjörg Mader fortgesetzt. Die Anwälte der drei Beklagten kündigten bereits umfangreiche Aussagen an. Über den FC Tirol war im vergangenem Sommer der Konkurs eröffnet worden. Mehr als 150 Gläubiger hatten ihre Forderungen angemeldet.(APA)

Share if you care.