"GEN-AU" fördert Gewebebank in Graz

23. Oktober 2003, 13:30
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Ursachensuche durch Vergleich der Gene von gesundem und krankem Gewebe

Wien - Der Vergleich der Gene von gesundem und krankem Gewebe soll zur Entschlüsselung der Ursachen von Krankheiten führen. Ein vom österreichischen "GEN-AU"-Programm gefördertes Projekt ist eine Gewebebank, welche Univ.-Prof. Dr. Kurt Zatloukal vom Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Graz aufbaut. Das Projekt wurde am Donnerstag bei einem Hintergrundgespräch in Wien präsentiert.

"Im Grunde ist in einem erkrankten Gewebe noch alle Information vorhanden, die zur Erkrankung geführt hat und den Verlauf der Erkrankung bestimmt hat. Wir haben jetzt mit einer Art molekularen Archäologie die Möglichkeit, diese Entwicklung zurück zu verfolgen", erklärte Zatloukal. Ähnliches gilt für das Studium von Krankheiten, die in verschiedenen Formen auftreten können.

Der Weg zur Bewältigung der Aufgabe

Die große Aufgabe der modernen Genomforschung - so der Grazer Experte - sei die Identifizierung der Funktion von Genen. Das gelte für krankes Gewebe genau so wie für gesundes Gewebe.

Zatloukal will das mit einer Art Archiv an Gewebeproben - natürlich mit Zustimmung der beteiligten Patienten - ermöglichen. "Wir haben eine Sammlung von 2,8 Millionen Parafin-Blöcken mit Gewebeproben sowie von 29.300 in flüssigem Stickstoff eingefrorenen Proben von 1,7 Millionen Organen und 700.000 Patienten."

In Graz entstand auf diese Weise weltweit eines der größten derartigen Archive. Hinzu kommen Blutserum-Proben. Zur Untersuchung von Genen bzw. Gen-Expressionsmustern können aus den Proben auch Zell-Kulturen bis hin zu Tiermodelle für eine Krankheit etabliert werden.

Schrittweises Vorgehen

Der Ansatz der Grazer Wissenschafter: Durch funktionelle Genom-Forschung sollen die für die einzelne Krankheit relevanten Gene entdeckt werden. Das führt weiter zum Studium der an Krankheiten beteiligten Proteine und schließlich zur Suche nach Substanzen, welche als Medikamente verwendet werden könnten.

Für diese Arbeiten etablieren die Grazer Wissenschafter auch die entsprechenden Analyseplattformen, die - immer mehr automatisiert - die gesuchte Information aus den Gewebeproben heraus holen. Sie werden schließlich in Datenbanken gesammelt und für weitere Forschungen bereit gehalten.

Beispiel Leberkarzinom

Zatloukal und sein Team haben sich zum Beispiel auf die Erforschung jener Gene spezialisiert, welche bei Leberkarzinomen einen Rolle spielen. Der Experte: "Rund 500 Gene sind bei einem Leberkarzinom dereguliert. Wir haben einige Gene gefunden, die bei 95 Prozent der Leberkarzinome in ihrer Aktivität um bis zu 25 Prozent dereguliert sind." Es dürfte sich um Erbmaterial handeln, welches in der Geschichte der Entstehung der Menschheit über Viren in den Menschen gekommen ist.

Gemeinsam mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg gibt es noch ein weiteres großes Projekt: Alle Gene von Gewebeproben von 1.000 Frauen, die an Brustkrebs leiden, sollen untersucht werden. Dabei soll festgestellt werden, was genetisch wirklich Brustkrebs ausmacht. (APA)

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