Wer liegt in der Gruft von Maria Enzersdorf?

28. Oktober 2003, 11:47
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Forscherteam der Universität Wien mit Spezialgeräten unterwegs

Maria Enzersdorf - Verschüttet, teilweise unter Wasser, zugemauert, dem Vergessen preisgegeben: Eine Jahrhunderte alte Gruft unter dem Franziskanerkloster Maria Enzersdorf sorgt derzeit bei Pater Thomas Lackner für einen erhöhten Adrenalinspiegel. In Kürze soll ein Forscherteam der Universität Wien mit Präzisionsgeräten den geheimnisvollen Hohlräumen unter der Kirche zu Leibe rücken. Laut hauseigener Chronik müssten sich dort mindestens 40 Gräber bzw. Särge befinden - "Überraschungen nicht ausgeschlossen".

Der Ordensbruder kann es kaum noch erwarten, bis an der Außenmauer des Gotteshauses die ersten Probebohrungen durchgeführt und Kamera-Sonden in die Dunkelheit hinabgelassen werden. Was seinen Forschergeist noch mehr anregt, ist die Tatsache, dass die Gruft erst Ende der sechziger Jahre zugemauert wurde, sich jedoch keiner der älteren Brüder mehr erinnern kann, wo genau der Abgang war.

Rätsel

"Ich habe fast den Eindruck, dass man damals bewusst etwas verschütten wollte - ich weiß aber nicht warum", rätselt Pater Thomas über die seinerzeitige Vorgangsweise im Zuge von Renovierungsarbeiten. "Die Gruft war bis dahin ja offen, aber es ist keiner mehr hinuntergestiegen." Der unterirdische Friedhof bestand seit der Gründung des Klosters im Jahr 1454 durch Johannes Capistran - möglicherweise sogar schon davor. Zwei Mal wurde die Anlage zerstört - 1529 und 1683 durch die Türken. Wertvolle Aufzeichnungen sind dadurch für immer verloren gegangen.

Einiges deutet darauf hin, dass die Ausmaße der Gruft beeindruckend sind. Sowohl in der Kirche selbst, als auch im Kreuzgang werden unter dem Boden Gewölbe vermutet. Sprünge und Verwerfungen sind laut Pater Thomas eindeutige Indizien dafür, "dass da was ist". Der "heißeste Tipp" ist jedoch der Josefs-Altar in einer seitlichen Nische. Dort sollen auch die Forschungen beginnen. "Wir können aber nur von der Außenseite graben, weil der Gestank wahrscheinlich groß sein wird."

Worauf man stoßen könnte, ist noch unklar. "Sogar Prunksärge sind möglich, weil ja zahlreiche Wohltäter und Adelige unter der Kirche begraben wurden", weiß Pater Thomas. Ab 1889 erfolgten die Bestattungen am Klosterfriedhof zu ebener Erde. Im Lauf des Novembers erhofft sich der geschichtsbegeisterte Franziskaner erste Erkenntnisse. "Wenn nur das Mindeste gefunden wird, wäre das wunderbar. Weil man dann die Geschichte unseres Wallfahrtsortes sicher teilweise umschreiben müsste." (APA)

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