Südkorea: Pjöngjang lieferte Scud-Raketen nach Nahost

25. Oktober 2003, 17:20
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Angeblich soll Nordkorea auch Waffen aus Österreich gekauft haben - China will vermitteln

Seoul - Nordkorea hat nach Angaben des südkoreanischen Verteidigungsministeriums seit Mitte der 80er Jahre mehr als 400 Raketen des Typs "Scud" in Länder des Nahen Ostens verkauft. Der Iran, der Irak, Syrien und der Jemen seien die häufigsten Abnehmer der Mittelstreckenraketen gewesen, hieß es in einem am Donnerstag in Seoul veröffentlichten Bericht an das Parlament. Zusätzlich zu den Raketen seien Ersatz- und Zubehörteile geliefert worden. Die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap berichtete, Nordkorea habe mit dem Verkauf bisher rund 110 Millionen Dollar eingenommen.

Gleichzeitig habe Pjöngjang zwischen 1997 und 2002 rund 400 Millionen Dollar für militärisches Großgerät wie Kampfjets, Hubschrauber und Panzer ausgegeben, hieß es in dem Bericht. Das Material sei im Wesentlichen aus Russland und China eingeführt worden. Die spanische Marine hatten im vergangenen Dezember gemeinsam mit US-Soldaten ein nordkoreanisches Frachtschiff im Indischen Ozean aufgebracht, das 15 für den Jemen bestimmte Scud-Raketen transportierte. Die Raketen wurden wenige Tage später freigegeben und ausgeliefert.

Allein im vergangenen Jahr habe Nordkorea am Export von Raketen des Typs "Scud" und Raketenkomponenten in den Jemen, nach Syrien, Iran und dem Irak 60 Millionen Dollar (50,9 Mio. Euro) verdient, hieß es am Donnerstag in einem Bericht des südkoreanischen Verteidigungsministeriums an das Parlament. Die USA halten Nordkorea für den größten Exporteur von Raketentechnologie.

Waffenkäufe auch aus Österreich

Das Ministerium berichtete außerdem von Waffenkäufen des kommunistischen Landes in den Jahren 1998 bis 2002 für 400 Millionen Dollar. Darunter hätten sich eine unbekannte Zahl von MiG-Kampfjets, Panzerfahrzeugen, Hubschraubern, Radar-, Navigations- und Kommunikationsgeräten befunden. Die Lieferanten stammten danach aus Russland, China, Deutschland, der Slowakei, Österreich, Weißrussland und Japan. Der von einem wirtschaftlichen Niedergang betroffene Norden der geteilten koreanischen Halbinsel zählt zu den hochgerüsteten Staaten der Welt.

Peking startet neue Vermittlung

Der chinesische Parlamentspräsident Wu Bangguo reist Mitte nächster Woche nach Nordkorea. Die Sprecherin des Außenministeriums, Zhang Qiyue, berichtete am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Peking, der Vorsitzende des Volkskongresses werde sich von Mittwoch bis Freitag zu einem "wichtigen Besuch" in Pjöngjang aufhalten.

Ohne ausdrücklich von einer Vermittlungsaktion zu sprechen, sagte die Sprecherin, dass Chinas Vizeaußenminister Wang Yi, der die derzeit blockierten Sechs-Staaten-Gespräche (Nordkorea, USA, Südkorea, China, Russland und Japan) über ein Ende des umstrittenen nordkoreanischen Atomprogramms geleitet hatte, den Parlamentsvorsitzenden "begleiten dürfte". (APA/dpa)

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