Wo Kinder Frausein und Mannsein lernen

28. Oktober 2003, 18:28
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Die Evaluierung des Projektkindergartens "Fun&Care" liefert den Beweis, dass geschlechtssensible Pädagogik erfolgreich sein kann

Wien - Die erste Falle lauert schon bei der Begrüßung. "Hast du aber ein schönes Kleiderl an." Und zu ihm, burschikos: "Was hast denn am Wochenende gemacht?" Es sind Kleinigkeiten wie diese, die von früh an Rollenbilder prägen. Schon im Kindergarten wird unablässig in derartige Rollen prägende Fallen getappt. Und sei es auch nur, dass man bequemerweise halt diejenigen ums Einräumen der Spielsachen fragt, die hilfsbereiter sind - die Mädchen eben.

Genau das sollte aber im Kindertagesheim "Fun&Care" in der Brunhildengasse 1A im 15. Bezirk einmal anders sein. 1999 wurde dort das Projekt "Geschlechtssensible Kleinkindpädagogik" gestartet - jetzt liegen die ersten Auswertungen und Ergebnisse vor.

Dieser Versuch, schon im Kindergarten "sensibel für Rollenbilder zu sein - egal ob es sich um Mädchen oder Buben handelt" wurde schwerpunktmäßig auf vier Säulen aufgebaut, wie Projektleiterin Daniela Orner erläutert.

Da gab es zum Einen ein Raumkonzept, das eben nicht eine Bau- und eine Puppenecke vorgesehen hat. "Früher kam es oft vor, dass Vater-Mutter-Kind gespielt wurde und der Papa aber in der Lego-Ecke ,arbeiten' war", erinnert sich Orner. Daher wurde dieser Raum nicht vordefiniert, sondern offen gestaltet.

Dazu kam das Personalkonzept: Nicht nur dass auch Männer als Pädagogen in diesem Kindergarten tätig sind - sie sind auch genauso für Essen und Putzen zuständig, wie gelegentlich Frauen mit den Kindern hämmern und sägen.

Wickelkurs für Buben

Beim Bildungskonzept wurden erst einmal "die Kinderbücher durchforstet. Ob etwa darin der Nikolo Geschenke bringt und natürlich der Bub einen den Kran bekommt". Es wurden auch gezielt Angebote gemacht - Mädchen zum Lego spielen eingeladen, den Buben wurden Wickelkurse angeboten.

Das vierte Standbein war die Elternarbeit - wo es vor allem darum ging, auch Väter in den Kindgartenalltag einzubinden. "Es muss ja nicht immer die Mutter sein, die für Reservekleidung oder frische Windeln zuständig ist", erklärt Orner.

Dass diese Sensibilisierung Wirkung hatte, zeigt eine Evaluierung des Projektes durch Christiane Spiel und Petra Wagner vom Psychologieinstitut der Universität Wien auf. Wie sich bei der Untersuchung zeigte, wurden im Projektkindergarten immer noch "Klassiker" wie das Gewehr den Männern oder der Besen den Frauen zugeordnet. Anderes aber, wie Haarbürste, Säge oder Herd, deutlich geschlechtsneutraler zugeordnet wurden. Noch deutlicher sind die Ergebnisse bei Begriffen wie "Cowboy und Indianer spielen", "zornig sein" oder "viel malen", die überhaupt nicht mehr als typisch männlich oder weiblich empfunden wurden.

Frauenstadträtin Renate Brauner, die dieses Pilotprojekt initiiert hatte, will nun darauf drängen, "dass diese Erkenntnisse und Ergebnisse auch in den Regelbetrieb einfließen werden". (DER STANDARD, Printausgabe 23.10.2003)

Von Roman Freihsl
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    Geschlechtssensible Erziehung ist möglich - Das Kindertagesheim "Fun&Care" in der Brunhildengasse 1A im 15. Bezirk zeigt, wie es gehen könnte.

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