Erster Prozess gegen Ölmulti in Ecuador

26. Oktober 2003, 20:11
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Dschungel-Bewohner klagen über Verschmutzung und Krankheiten - ChevronTexaco weist Schuld von sich

Quito - In Ecuador hat der erste Prozess gegen einen multinationalen Ölkonzern unter dem Vorwurf der Umweltzerstörung begonnen. 88 Kläger werfen dem US-Konzern ChevronTexaco im Namen von 30.000 Bewohnern des Amazonas-Dschungels vor, Ölfördergebiete im ecuadorianischen Regenwald verseucht zu haben. Die Anwälte der Kläger schätzen die Kosten für die Säuberung und für die medizinische Behandlung der betroffenen Bewohner auf mindestens eine Milliarde Dollar (855 Mill. Euro).

40 Millionen Dollar zur Kontaminierung

Der Rechtsvertreter von ChevronTexaco, Ricardo Veija, sagte am Mittwoch, einen Tag nach Prozessbeginn, die Vorwürfe müssten sich gegen die staatliche Ölgesellschaft Ecuadors richten und nicht gegen sein Unternehmen. ChevronTexaco habe 40 Millionen Dollar für ein Dreijahresprogramm zur Dekontaminierung der Region investiert, das die Regierung 1998 für abgeschlossen erklärt habe. Alle weiteren Ansprüche müssten sich gegen die staatliche Ölgesellschaft Petroecuador richten. Die Kläger machen jedoch geltend, dass Petroecuador zwar formell die Mehrheit an dem Gemeinschaftsprojekt zur Ölförderung im Amazonas-Dschungel besessen habe. Die eigentlichen Entscheidungen traf nach ihrer Auffassung jedoch Texaco, das 2001 mit Chevron fusioniert wurde.

Zu diesen Entscheidungen habe auch der Beschluss gehört, 70 Milliarden Liter ölhaltiges Wasser in offene Gräben und Flüsse einzuleiten, erklären die Kläger. Die Gewässer sind häufig mit einer dünnen Ölschicht bedeckt. Die Einwohner klagen über eine Zunahme von Magen-, Hals- und Hauterkrankungen, die sie auf die Umweltverschmutzung zurückführen.

Urteil frühestens in sechs Monaten erwartet

Der Prozess findet in Lago Agrio statt, dem 175 Kilometer nordöstlich von Quito gelegenen Zentrum der Ölförderung in Ecuador. Es wird erwartet, dass frühestens in sechs Monaten ein Urteil gesprochen wird. Bei einer Berufung vor dem Obersten Gericht Ecuadors könnte sich das Verfahren über mehrere Jahre hinziehen. Ursprünglich wurde die Klage vor einem US-Gericht eingereicht. Im August vergangenen Jahres entschied dann das Berufungsgericht von New York, dass der Prozess dort stattfinden sollte, wo der von den Klägern geltend gemachte Schaden entstanden sei. Die Anwälte der Kläger machten jedoch die Sorge geltend, dass wegen der hohen Abhängigkeit Ecuadors von den Öleinnahmen dort kein faires Verfahren zu erwarten sei. Auf die Ölexporte entfallen 40 Prozent der Deviseneinnahmen des Landes. (APA/AP)

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