New York: Fährkapitän der Unglücksfähre blockiert Erhebungen

24. Oktober 2003, 19:23
posten

Vom Dienst suspendierter Schiffsführer weigert sich Fragen im Zusammenhang mit dem Unfall zu beantworten

Der erste Kapitän der New Yorker Unglücksfähre, Michael Gansas, ist am Mittwochabend vom Dienst suspendiert worden. Bürgermeister Michael Bloomberg warf ihm vor, die Aufklärung des schweren Unfalls, durch den zehn Menschen starben, zu erschweren. New York - Der 38-jährige Fährkapitän Michael Gansas ist der erste Verantwortliche auf der riesigen Fähre gewesen, die am Mittwoch der Vorwoche in New York in voller Fahrt einen Kai rammte und aufgeschlitzt wurde. Zehn Menschen wurden getötet, 65 weitere schwer verletzt.

Am Dienstag dieser Woche forderte die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB Gansas auf, Fragen im Zusammenhang mit dem Unfall zu beantworten. Der Kapitän verweigerte, mit dem Hinweis darauf, er sei noch zu traumatisiert.

Suspendiert

Daraufhin lud ihn die Behörde offiziell zum Verhör vor. Gleichzeitig wurde ihm mitgeteilt, er sei vorerst ohne Bezahlung suspendiert. Trotz dieser Vorladung blieb vorerst ungeklärt, wo auf dem Schiff sich Gansas zum Zeitpunkt des Unglücks aufhielt. Laut bisherigen Ermittlungen hatte Richard Smith, der zweite Kapitän, am Steuer der Fähre einen Kreislaufkollaps erlitten. Nach dem Unfall versuchte er, sich das Leben zu nehmen. Sein Zustand wurde am Donnerstag noch immer als kritisch bezeichnet.

Kapitän Gansas hatte kurz nach dem Unfall ausgesagt, er habe sich vor dem Unglück genau wie vorgeschrieben in der Führerkabine aufgehalten, habe aber seinen bewusstlosen Kollegen nicht von den Instrumenten wegziehen können. Diese Aussage wird inzwischen angezweifelt.

Besatzungsmitglieder berichteten den Ermittlern der US-Verkehrsbehörde, Kapitän Gansas sei erst dann vom hinteren Teil des Schiffes in Richtung Steuerraum geeilt, als klar wurde, dass die 3300-Tonnen-Fähre Minuten vor dem erwarteten Anlegen immer noch mit vollem Tempo fuhr und offenbar niemand sie abbremste. Offensichtlich hätte das Unglück in den entscheidenden Minuten verhindert werden können, "wenn der Kapitän an seinem Platz gewesen wäre", sagte einer der Ermittler.

Vorschrift missachtet

Nach den Vorschriften müssen stets beide Fährkapitäne, mindestens aber ein Kapitän und ein am Steuer erfahrener Gehilfe bei den Ab- und Anlegemanövern in der Kabine anwesend sein. Bisherigen Ermittlungsergebnissen folgend wurde diese Vorschrift in diesem Fall nicht eingehalten. (AP, dpa, DER STANDARD Printausgabe 24.10.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zehn Menschen starben beim Schiffunglück

Share if you care.