Jazziges zwischen gestern und heute

27. Oktober 2003, 19:15
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Neue Alben vom Vienna Art Orchestra und von "Fip Fop"

VIENNA ART ORCHESTRA
Duke Ellington's Sound of Love vol. 2
(Universal)
Ungeschminkt geht es gleich deftig in die Jazzhistorie hinein, ohne Hemmungen wird hier so nostalgisch wie fetzig drauflosgegrunzt und -getrötet, es ist Feuer am Big-Band-Dach - und es ist schön so. Das Vienna Art Orchestra hat sich zum zweiten Mal mit Big-Band-Maestro Duke Ellington befasst und zelebriert seine zwischen kollektiver Disziplin und individueller Meinungsäußerung angelegte Kunst auf ehrwürdigem Duke-Boden. Geschichte wird zur Gegenwart, wenn man musikalisch an sie glaubt: "Caravan" schnurrt zierlich an uns vorbei, flink, virtuos. "In A Sentimental Mood"? Mehrstimmige Posaunenkunststücke, witzig hüpfender Bläsersatz, kauzige Paraphrasen. Eine Fuge der galanten, pointierten Ideen.

FIP FOP
Fop - Forms of Plasticity
(Universal)
Neues von der "Fusion"-Front: Die Formation "Fip Fop" verschachtelt moderne Beats, elektronische Fantasien mit jazzigen Improvisationen und schafft es, vierzehn Nummern lang Aufmerksamkeit zu binden. Spannung kommt hier von atmosphärischem Raffinement und rhythmischer Dringlichkeit bei gleichzeitiger Gelassenheit. Verantwortlich dafür sind Oliver Steger (b), Lorenz Raab (tr), Johannes Specht (git) und Mike Breneis (dr). Wesentlich auch der Beitrag von Sängerin Agnes Heginger. Sie verbreitet schummrig-poetisches Flair und prägt die Atmosphäre mancher Nummern auf das Angenehmste. (DER STANDARD, Printausgabe, 24.10.2003)

Von Ljubisa Tosic
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