Anschlag in Bagdad: Scharfe Vorwürfe gegen UNO

24. Oktober 2003, 17:36
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Mangelnde Sicherheitsvorkehrungen vor und nach dem Attentat auf das Canal Hotel

New York - Die Vereinten Nationen hätten es verabsäumt, vor dem Selbstmordangriff auf das UNO-Hauptquartier am 19. August in Bagdad angemessene Sicherheitsvorkehrungen zu treffen, und Generalsekretär Kofi Annan hätte nach dem Anschlag den Ratschlag seiner Mitarbeiter zur Evakuierung des Gebäudes nicht befolgt. Zu diesem Ergebnis kommt der am Mittwoch veröffentlichte Bericht eines unabhängigen Ausschusses unter der Leitung des früheren finnischen Staatspräsidenten Martti Ahtisaari.

Bei dem Anschlag auf das Canal Hotel kamen 22 UNO-Mitarbeiter ums Leben, darunter der Sonderbeauftragte des Generalsekretärs für den Irak, der Brasilianer Sergio Vieira de Mello. 150 Personen wurden verletzt.

Routinevorschriften missachtet

"Das Versäumnis der UN-Verwaltung und der Mitarbeiter, Routinevorschriften zur Gewährung der Sicherheit zu befolgen, hat die UNO der Art von Anschlag ausgesetzt, die verübt wurde", heißt es in dem 40 Seiten umfassenden Bericht, der von vier Personen angefertigt wurde. Dem Bericht zufolge hatte die UNO die amerikanische Besatzungsmacht aufgefordert, die Sicherheitsmaßnahmen um das Canal Hotel abzubauen. Sie hätte ausdrückliche Warnungen vor einem Anschlag am 19. August in den Wind geschlagen und auch keine Gegenmaßnahmen geplant.

Keine Kritik an US-Schutzpersonal

Obwohl das US-Militär die primäre Verantwortung für den Schutz der UN-Mitarbeiter trägt, werden die Amerikaner verschont. Seit dem Angriff ist die Zahl der UN-Mitarbeiter im Irak auf 55 (von 900) Mitarbeiter geschrumpft.

UN wurde gewarnt

Die UNO sei bereits am 10. August vor einem unmittelbar bevorstehenden Anschlag auf das Canal Hotel gewarnt worden und am 19. August sei in einem auf den letzten Stand gebrachten Sicherheitsbericht von einer Lkw-Bombe die Rede gewesen, berichtet der Ausschuss. Dennoch hätte das UN-Management keinerlei Maßnahmen zum Schutz ihrer Mitarbeiter getroffen. Trotz Empfehlungen seines Sicherheitspersonals habe es Generalsekretär Annan verabsäumt, die vollständige Evakuierung der UN-Mitarbeiter anzuordnen, letztens am 22. September etwa zwei Stunden vor der Explosion einer Autobombe vor dem Canal Hotel, bei der mehrere irakische Polizisten ums Leben kamen.

US-Truppenpräsenz "zweideutig"

Der Bericht beschreibt die Beziehungen zwischen der UN und der Koalition in Fragen der Sicherheit als "zweideutig". Die sichtbare Präsenz von US-Truppen nahe des UN-Hauptquartiers habe die UN als unangenehm empfunden. Der Ausschuss empfiehlt eine drastische Überprüfung der Sicherheitsvorkehrungen im Irak, größeren Versicherungsschutz für die Mitarbeiter und stärkere Zuweisung der Verantwortlichkeit.

Die Mitglieder des Gremiums sind Peter Fitzgerald, stellvertretender Polizeichef Irlands, Brigadegeneral Jaakko Oksanen aus Finnland und Claude Bruderlein, Leiter des Programms für Humanitäre Politik und Konfliktforschung an der Harvard University. (APA)

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    Bei dem Anschlag auf das Canal Hotel kamen 22 UNO-Mitarbeiter ums Leben

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