Tirol: Luftbelastung durch Pkw unterschätzt

23. Oktober 2003, 19:20
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Studie macht für die dicke Luft, Güter- und Personenverkehr annähernd gleich verantwortlich - wirksame Maßnahme wäre Tempo 100

Innsbruck - Damit die (in den nächsten Jahren sinkenden) Schadstoffgrenzwerte in der Luft eingehalten werden können, "müsste man den Verkehr um die Hälfte reduzieren", bilanziert Stefan Hausberger von der TU Graz, der gemeinsam mit Dietmar Öttl die Belastungen am Beispiel Stickoxide im Tiroler Unterland untersucht hat.

Unmittelbar neben der Autobahn an der Messstelle Vomp seien dem Verkehr 94 Prozent der Immissionen zuzuordnen. Nach den Messungen und Rechenmodellen der Wissenschafter sinken aber die Belastungen mit der Entfernung von der A12 rascher ab als bisher angenommen.

Schadstoffausstoß nicht am einzelnen Fahrzeug gemessen

Da der Schadstoffausstoß nicht am einzelnen Fahrzeug gemessen werden kann, komme man bei deren Zuordnung um Simulationen und Berechnungen nicht herum, meint Hausberger. Weil in den letzten Jahren diesbezüglich bei der Lkw-Technologie deutlich mehr passiert sei als beim Pkw und zugleich der Anteil dieselbetriebener Pkw stark angestiegen ist, sei es nicht länger haltbar, dem Lkw 80 Prozent des Schadstoffausstoßes aufzubrummen. Für Vomp gilt demnach: 31 Prozent der dreckigen Luft kommen vom Gütertransit, 28 Prozent sind Güternahverkehr, 6 Prozent Personentransit und 35 Prozent einfacher Pkw-Verkehr.

Die Wirtschaftskammer Tirol hätte die Studie zwar in Auftrag gegeben, sich aber methodisch und inhaltlich nicht eingemischt, betonen Hausberger und Kammerpräsident Hansjörg Jäger unisono.

Einzelmaßnahme Tempo 100

Als wirksamste Einzelmaßnahme würde Tempo 100 für Pkw die Schadstoffe um elf Prozent senken, während das geltende Lkw-Nachtfahrverbot nicht messbare Auswirkungen habe. Das diskutierte Fahrverbot für nicht schadstoffarme Lastwagen würde die Stickoxidbelastung um sechs bis 14 Prozent senken. Betroffen wären davon drei von fünf heimischen Lastautos.

Jäger sieht die Zukunft in nach Emissionen gestaffelten Mauten, die auch den Pkw betreffen könnten. Zu diskutieren sei eine höhere Besteuerung von Diesel-Pkw. (hs, DER STANDARD Printausgabe 23.10.2003)

Eine Studie macht für die dicke Luft im Unterinntal Güter- und Personenverkehr annähernd gleich verantwortlich. Wirksame Maßnahme dagegen wäre Tempo 100 für Pkw.
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