Hasch: Jeder Fünfte kennt sich aus

23. Oktober 2003, 21:09
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EU-Beobachtungsstelle erkennt neue Konsum-Muster und eine drogenbedingte HIV-Epidemie in Osteuropa

Straßburg - Cannabis ist und bleibt die am meisten konsumierte Droge in der Europäischen Union, gefolgt von Amphetaminen und Ecstasy. Jeder fünfte EU-Bürger hat schon einmal in seinem Leben Haschisch probiert - und bis zu 1,5 Millionen Menschen sind es, die europaweit einem "problematischen Drogenkonsum" frönen - Drogen injizieren, regelmäßig Opiate, Kokain oder Amphetamine zu sich nehmen.

Generelle und gemeinsame Muster

Dies sind einige der Erkenntnisse, die die EU-Beobachtungsstelle für Drogen und Drogenmissbrauch (EBDD) am Mittwoch im Europäischen Parlament präsentiert hat. Georges Estievenart, Chef des in Lissabon ansässigen Amtes meinte bei der Präsentation des EBDD-Jahresberichtes 2003 einen Trend erkennen zu können: Wenn in der Vergangenheit vor allem die Unterschiede in den europäischen Ländern ins Auge stachen, so ließen sich nun immer häufiger "generelle und gemeinsame Muster" erkennen. "Ein weiteres Zeichen dafür", meint Estievenart, "dass das Drogenproblem zum europäischen Problem geworden ist".

EU-Beitrittsländer: Rapider Anstieg von HIV-Infektionen

Seit einigen Jahren hat die EBDD ihre Beobachtertätigkeit auch auf die EU-Beitrittsländer ausgedehnt. Das Amt warnt dabei auch vor Aids: Spezielle Sorgenkinder sind Estland und Lettland, wo es zu einem rapiden Anstieg von HIV-Infektionen unter Drogenkonsumenten gekommen ist und 13 beziehungsweise 12 Prozent der Fixer mit dem Virus infiziert sind. Erhöhte Verfügbarkeit von Heroin und ein geringes Risikobewusstsein zeitigen fatale Auswirkungen.

Substitutionsbehandlungen haben zugenommen

In den letzten fünf Jahren haben in der EU Substitutionsbehandlungen um ein Drittel zugenommen: Insgesamt gibt es in den 15 EU-Ländern und Norwegen 400.000 Menschen, die vor allem mit Methadon behandelt werden. Programme, die der Schadensminimierung dienen sollen (Spritzenabgabe, Vergabe von Kondomen, Schulung für Drogenkonsumenten) sind in der EU selbst weit, in den EU-Beitrittsländern aber nur unzureichend verbreitet, weil sie gesellschaftlich heftig umstritten sind, Ausnahme Tschechien. In den Beitrittsländern mangle "es an politischem Willen und an Ressourcen, zur Bekämpfung der Drogenproblematik" konstatiert der Bericht trocken.

Jeder dritte Amerikaner hat Cannabis probiert

Aufs Ganze gesehen gibt sich Georges Estievenart nur wenig optimistisch, dass der von EU 2000 verabschiedete Aktionsplan gegen Drogenmissbrauch voll realisiert werden kann. Aber wenigstens im europäisch-amerikanischen Vergleich gibt es einige Lichtblicke: In den USA hat mehr als jeder Dritte (36, 9 Prozent) irgendwann in seinem Leben mit Cannabis Bekanntschaft gemacht, 12, 3 Prozent der Amerikaner haben Erfahrung mit Kokain. In der EU ist Kokain ein geringeres Problem, das allerdings in einigen Ländern, vor allem in Großbritannien, an Schärfe gewonnen hat. Crack, das zeitweilig in US-Ghettos für gesundheitliche und kriminelle Verheerungen gesorgt hat, ist in Europa relativ wenig verbreitet. Der EBDD-Bericht spricht von einem Randgruppenproblem. (Christoph Winder aus Straßburg, DER STANDARD Printausgabe 13.10.2003)

Die EU-Beobachtungsstelle für Drogen und Drogenmissbrauch (EBDD) warnt in ihrem jüngsten Jahresbericht vor neuen Missbrauchsmustern und einer drogenbedingten HIV-Epidemie in Osteuropa.
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    Jeder fünfte EU-Bürger hat schon einmal in seinem Leben Haschisch probiert

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