Indien will Beziehungen zu Pakistan verbessern

24. Oktober 2003, 11:03
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Verkehrsverbindungen werden wieder aufgenommen - Dialogangebot an Separatisten in Kaschmir

Neu-Delhi - Zur Aussöhnung mit Pakistan und zur Lösung des Kaschmir-Konflikts hat Indien völlig überraschend gleich zwei Initiativen gestartet. Außenminister Yashwant Sinha legte am Mittwoch ein Zwölf-Punkte-Programm für die Normalisierung der Beziehungen zu Islamabad vor. Zuvor hatte das Kabinett Vizeregierungschef Lal Krishna Advani zu Gesprächen mit kaschmirischen Rebellen autorisiert. Die Separatisten begrüßten die Ankündigung, aus Pakistan gab es zunächst keine offizielle Reaktion.

Die Normalisierungsvorschläge, die Sinha bei einer Pressekonferenz in Neu-Delhi unterbreitete, beinhalten etwa eine Wiederherstellung der Verkehrsverbindungen zwischen den jeweiligen Hauptstädten des geteilten Kaschmirs - Srinagar auf indischer und Muzaffarabad auf pakistanischer Seite. Bus- und Eisenbahnlinien sollen ebenso ausgeweitet werden wie der Flugverkehr, ferner soll Bürgern über 65 Jahren auch der Grenzübergang zu Fuß genehmigt werden. Dies würde die Familienzusammenführung in der geteilten Region entschieden erleichtern.

Auch zwischen Neu-Delhi und Lahore soll es nach indischer Vorstellung mehr Busverbindungen geben. Desweiteren schlug Sinha gemeinsame Sportveranstaltungen beider Länder vor. Auch sollen die diplomatischen Kontakte intensiviert werden. Der Außenminister betonte allerdings, dass Indien weiterhin gezielt gegen militante Gruppen im kaschmirischen Grenzgebiet vorgehen werde. Pakistan wurde abermals aufgerufen, das Eindringen islamischer Extremisten ins überwiegend von Hindus bewohnte Indien zu verhindern.

Das Angebot eines Dialogs mit den Separatisten in Kaschmir wurde als besonders bedeutender Schritt zu einer Beilegung des Konflikts gewertet. Ein ranghoher Geheimdienstbeamter in Kaschmir sagte der Nachrichtenagentur AP, die indische Regierung habe ihre Haltung geändert, da alle bisherigen Versuche zur Lösung des Problems gescheitert seien.

Gesprächspartner von Vizeregierungschef Advani soll nach dem Willen Indiens der Vorsitzende der kaschmirischen Allparteienkonferenz Hurriyat, Moulvi Abbas Ansari, sein. Dies ist ein Zusammenschluss religiöser und politischer Parteien in der Region. Die indische Nachrichtenagentur PTI zitierte Ansari mit den Worten, die Entscheidung der Regierung komme zwar spät, sei aber ein gutes Zeichen.

Die Regierung lehnte direkte Gespräche mit Hurriyat bisher ab. Hurriyat wiederum hat sich stets geweigert, mit niederrangigen Unterhändlern zu reden. Die Separatisten boykottieren seit Jahren Wahlen und weigern sich, die Souveränität Indiens über dessen Teil Kaschmirs anzuerkennen. Nach internen Differenzen hat sich die Allparteienkonferenz in den vergangenen Wochen aber gespalten, so dass ihr Einfluss geschwunden ist.

Im indischen Teil Kaschmirs kämpfen mehr als ein Dutzend muslimische Gruppen für die Unabhängigkeit oder den Anschluss an Pakistan. Bisher kamen in den Auseinandersetzungen mehr als 63.000 Menschen ums Leben. Die heutigen Atommächte Indien und Pakistan haben seit ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien vor einem halben Jahrhundert zwei Kriege um die Himalaya-Region geführt. (APA/AP)

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    Der Verkehr über den Khardung La-Pass könnte bald wieder aufgenommen werden

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