Korneuburg: Patienten vollbekleidet in Betten fixiert

23. Oktober 2003, 18:43
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Arge Pflegemissstände in Privatheim - Landesabteilung veranlasste Schließung

Korneuburg - Von einem "Pflege-Skandal" in einem privaten Heim berichten die NÖ Nachrichten (NÖN) in ihrer aktuellen Korneuburg-Ausgabe.

Heim geschlossen

Demnach wurde das Haus nach Überprüfung durch die zuständigen Mitarbeiter des Landes NÖ am Freitag vergangener Woche als Sozialhilfeeinrichtung geschlossen. "Das war menschenunwürdig. Man hat die Patienten in ihren Rechten beschnitten, wo es nur ging", wurde Elisabeth Kapral von der Landesregierung, Abteilung Sanitäts- und Krankenanstaltenrecht (GS4), zitiert.

Zustand verschlechterte sich

Bereits im März sei das Privatheim in Würnitz (Gemeinde Harmannsdorf-Rückersdorf) im Bezirk Korneuburg unter die Lupe genommen worden. Die Betreiber hätten der Aufforderung, Mankos auszugleichen, nicht Folge geleistet. Dem Bericht zufolge verschlechterte sich der Zustand weiter. Laut Kapral gab es "keinerlei Personal. Eine Bewohnerin war in einem Sechs-Quadratmeter-Zimmer eingesperrt, andere Patienten waren voll bekleidet im Bett fixiert. Es gibt gar kein Notrufsystem und keine Pflegedokumentation. Eine Dame hat vor Schmerzen geweint, sie könne sich gar nichts anderes leisten."

Heimbetreiber wiesen Vorwürfe zurück

Als Konsequenz der jüngsten Überprüfung wurden Rotkreuz-Transporte zu neuen Heimplätzen organisiert.

Die Heimbetreiber wiesen die Vorwürfe laut NÖN zurück: Seit März würden keine Pflegefälle mehr aufgenommen. Eine Bewohnerin sei nur deshalb kurzfristig im Zimmer eingesperrt worden, weil sie mit gewaschenem, nassem Haar in den Garten gehen wollte. Gitter an den Betten hätten nur jene, die sonst hinausfallen würden. Außerdem gebe es ein Notrufsystem, eine Klingel im Bad.

Dem Bericht zufolge wollen die Betreiber, die über eine Gewerbeberechtigung zur Zimmervermietung verfügen, das Heim nun als Wohneinrichtung - für rüstige Pensionisten - weiter führen. (APA)

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