Manche Räder stehen still, wenn ...

24. Oktober 2003, 11:09
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Unternehmensführung und Gewerkschaft streiten über die Auswirkungen des Überstundenboykotts bei der ÖBB

Wien - Die ÖBB fahren trotz Überstundenboykott vorerst weiter nach Plan. Die ursprünglich schon für Montag erwarteten Zugausfälle seien auch am Mittwoch weiter ausgeblieben, heißt es aus der ÖBB-Unternehmensführung. Die Gewerkschaft hingegen bleibt dabei, es gebe bereits Ausfälle im Güterverkehr. Personal werde zum Personenverkehr umgeschichtet.

Laut Vorstand sind die Dienstpläne bis Monatsende erstellt worden und werden von den Bediensteten derzeit lückenlos eingehalten. Dafür gebe es auch eine Zusage der Personalvertretung. „Würden die Dienstpläne nicht eingehalten, wäre dies eine Dienstpflichtsverletzung“, sagte ÖBB-Sprecher Andreas Rinofner. Auch für die nächsten Tage sei mit planmäßigem Verkehr zu rechnen. Ob sich daran am Wochenende etwas ändern könnte, werde man morgen, Donnerstag, besser abschätzen können: Da tage der Krisenstab wieder in großer Runde, so die ÖBB.

Schulungen abgesagt

Ganz anders sieht man die Situation bei der Eisenbahnergewerkschaft. Das Unternehmen habe alle Schulungen abgesagt und einen Großteil der Baustellen geschlossen. Außerdem sei Personal vom Güter- zum Personenverkehr umdisponiert worden. Im Güterverkehr würden nur noch Just-in-Time-Transporte durchgeführt, nicht zeitkritische Fahrten seien eingestellt worden. In Ungarn stünden die von der ÖBB nicht übernommenen Güterzüge schon von Hegyeshalom bis Györ zurück, ebenso Bratislava und Passau, hieß es aus der Eisenbahnergewerkschaft. Die Unternehmensführung wies dies erneut zurück.

Die Unternehmensführung weist dies weiter zurück. Schulungen seien zwar als Vorsorgemaßnahme eingeschränkt worden, der Baustellenbetrieb laufe aber weitgehend normal und im Zugverkehr werde der gesamte Verkehr gefahren. Tatsächlich stünden in Österreich derzeit 18 Züge, die aber deswegen nicht fahren, weil sie einer Nachbarbahn nicht übergeben würden. Umgekehrt werde von den ÖBB jeder Zug an der Grenze übernommen, nur aus Fahrplangründen oder auf Grund von Kundenwünschen komme es wie jeden Tag mitunter zu längeren Haltezeiten an den Grenzen, so Rinofner.

Haberzettl: Vier von fünf ÖBBlern machen mit

Der Eisenbahner-Chef Wilhelm Haberzettl zeigte sich am Mittwoch demonstrativ gelassen darüber, dass es bisher noch zu keinen gröberen Ausfällen im Bahnverkehr gekommen ist. „Es ist für die Strategie völlig unerheblich, ob am Freitag Behinderungen eintreten, oder erst nächste Woche am Dienstag/Mittwoch“, sagte Haberzettl im „Ö1 Mittagsjournal". Der Gewerkschaftschef geht davon aus, dass sich vier Fünftel der ÖBBler am laufenden Überstundenboykott beteiligen.

„Mag sein, dass der eine oder andere Überstunden leistet. Das ist jedem seine persönliche Entscheidung. Ich glaube, dass die Leute wahrscheinlich noch nicht über das Maßnahmenpaket, das sie betrifft, informiert sind. Wenn sie die Information haben, glaube ich nicht, dass sie der Unternehmensführung sehr entgegen kommen“, meint der Gewerkschafter.

Die gesetzten Protestmaßnahmen, wie den Boykott von Überstundenleistungen und „Dienst nach Vorschrift“, würden jedenfalls weiter österreichweit fortgesetzt, betont die Eisenbahnergewerkschaft. Und Haberzettls Stellvertreter Gottfried Winkler schloss am Mittwoch erneut „eine Verschärfung der Kampfmaßnahmen in Richtung befristeter oder unbefristeter Streiks“ nicht aus.(APA)

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