Europa hat die langsamsten Internet-Zugänge

31. Oktober 2003, 10:56
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Arthur D. Little: Schneller Internet-Zugang Schlüssel zum Wirtschaftswachstum

"Europa muss seine Internet-Kapazitäten massiv aufrüsten, um im Vergleich zu den USA und Asien wettbewerbsfähig zu bleiben". Zu diesem Ergebnis kommt das Unternehmensberatungsunternehmen Arthur D. Little in einer weltweiten Studie. Der Breitband-Zugang zum Internet wird darin als das Rückgrat der wissensbasierten Gesellschaft bezeichnet. Ein Zurückbleiben verringere die Standortattraktivität, koste Wachstum und damit Arbeitsplätze.

Langsamster Internet-Zugang

Derzeit sei Europa der Kontinent mit dem langsamsten Zugang zum Internet. In den USA hätten die Internet-User im Schnitt einen vier bis acht Mal, in Asien sogar einen vier bis sechzehn Mal leistungsfähigeren Zugang zum Internet, heißt es in der Pressemitteilung von Arthur D. Little Austria von heute, Mittwoch. Damit drohe Europa in der Entwicklung neuer, zukunftsträchtiger Geschäftszweige gegenüber anderen Kontinenten zurückzubleiben.

Korea, Hongkong und Taiwan vorne

Am weitesten verbreitet ist Breitband-Technologie demnach in Korea, Hongkong und Taiwan, wo bereits zwischen 80 und 40 Prozent der Bevölkerung den raschen Zugang zum Internet haben. In der zweiten Gruppe (20 bis 40 Prozent der Bevölkerung) rangieren die Niederlande, Belgien, die USA, Schweden und Österreich, in der dritten, am wenigsten entwickelten Gruppe (bis 20 Prozent), Großbritannien, Spanien, Deutschland, Frankreich und Italien. Schlusslichter mit einer Breitband-Verbreitung von unter fünf Prozent sind die meisten osteuropäischen Länder, wie z.B. Kroatien und Tschechien sowie Malaysia, Brasilien und Venezuela.

Klares Bekenntnis zur Informtionsgesellschaft

Der rasche Vormarsch der neuen Technologie in Ländern wie Korea wird auf drei Faktoren zurückzuführen: Erstens auf ein klares Bekenntnis der Regierung zur Informationsgesellschaft, zweitens auf niedrige Preise für Netzanschlüsse und PCs und drittens auf klare rechtliche Rahmenbedingungen, die die "elektronische Piraterie" (illegale Nutzung von Musik-Downloads und Videos) eindämmen helfen.

In Österreich haben laut Studie 19 Prozent der Haushalte "Turbo"-Zugang zum Internet. Dem stehen die erst gestern veröffentlichten Zahlen der Statistik Austria entgegen. Demanch haben 1,2 Millionen österreichische Haushalte einen Zugang zum Internet - das entspricht einem Anteil von 36 Prozent. 27 Prozent oder 330.000 Haushalte mit Internetzugang steigen über eine Breitbandverbindung ins Netz ein, das sind 9,7 Prozent aller Haushalte gegenüber 19 Prozent laut Arthur D. Little.

"Elektronisierung"

Die durchgängige "Elektronisierung" der Geschäftsprozesse (eBusiness), Onlinedienste von Ämtern, Behörden und Institutionen (eGovernment) hätten Leitfunktion für die Standortqualität, den raschen und reibungslosen Austausch großer Datenmengen und damit für die Entwicklungsdynamik moderner Staaten. Sie funktionierten aber erst, wenn ein großer Teil der Bevölkerung über leistungsfähige Internet-Zugänge verfügten und entsprechende Dienste im Markt seien.

Die Studienautoren schätzen für Europas Breitband-Dienste im Jahr 2003 ein Umsatzvolumen in einer Größenordnung von 9,2 Mrd. Dollar (7,92 Mrd. Euro). Das sei doppelt so viel wie 2002 (4,5 Mrd. Dollar). Bis zum Jahr 2008 werde sich dieser Umsatz auf 34 Mrd. Dollar erhöhen. Vor allem das Volumen der Multimedia-Dienste werde sich explosionsartig entwickeln, nämlich von derzeit 0,6 auf mindestens 4,4 Mrd. Dollar.

70 Prozent der Umsätze mit "Flat Rates"

Laut Studie werden 70 Prozent der weltweiten Umsätze von Breitband-Netzbetreibern mit dem Tarifsystem von "Flat Rates" erzielt. Im Durchschnitt zahlen die Breitband-Benützer weltweit rund 40 Dollar je Monat für ihren Internet-Zugang.

Bis zum Jahr 2008 erwartet die Arthur D. Little-Studie in Österreich einen Anstieg der Marktdurchdringung von 19 auf 40 Prozent. Die Verbreitung des Breitband Internet-Zugangs wird sich von heute rund 600.000 Haushalten in Österreich auf mehr als eine Million Haushalte im Jahr 2005 und knapp 1,3 Millionen Haushalte bis zum Jahr 2008 steigern. Auch werde der Markt - wenn auch nicht im selben Ausmaß - vom Umsatz her wachsen: von 240 Mio. Euro 2003 auf 430 Mio. Euro 2008. (APA)

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