Österreich "sicherstes Printmonopol Europas"

31. Oktober 2003, 14:28
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Medienunternehmer Russ: "Keiner will mehr investieren"

Ein ungastliches Umfeld für Medieninvestoren beklagt der Vorarlberger Verlagsunternehmer Eugen A. Russ als Folge der europaweit einzigartigen Monopolsituation am österreichischen Printmedienmarkt. 97 Prozent des Magazinmarkts seien mit 70 Prozent des Tageszeitungsmarkts verflochten. Russ: "Wir haben das sicherste Monopol Europas, und es gibt keinen mehr, der in diesem gesicherten Monopol investieren will - weder Springer noch Gruner + Jahr noch sonst wer." Keiner wolle es sich leisten, "zwei Jahre mit dem Hauptgeschäftsführer zu streiten."

Russ bezeichnete es im Rahmen einer Podiumsdiskussion als "extrem schwierig, in Österreich zu investieren". Das Engagement seines Vorarlberger Medienhauses - dazu gehören unter anderem Vorarlberger Nachrichten, Neue Vorarlberger Tageszeitung - im Osten sei dennoch "keine Flucht nach Osteuropa", fügte er hinzu.

Gewaltige Wachstumsraten

Dem Entschluss vor 14 Jahren, drei Tageszeitungen in Ungarn zu erwerben, lag die Erkenntnis zu Grunde, dass weiteres Wachstum nur außerhalb des Vorarlberger Stammsitzes möglich war. "Wir haben diese Möglichkeit im Osten gefunden." Heute sind die Unternehmen in Osteuropa zusammen bereits größer als die Gesellschaft in Vorarlberg. Und - die Länder Osteuropas hätten gewaltige Wachstumsraten, die direkt mit dem Werbevolumen korrelierten. "Wir haben derzeit 20 bis 30 Prozent Werbewachstum in Osteuropa", berichtete Russ.

Im Osten Ungarns besitzt das Vorarlberger Medienhaus mittlerweile vier Tageszeitungen, mit 600 Beschäftigten sind die dortigen Unternehmen heute größer als die Mutterfirma in Vorarlberg mit 400 Mitarbeitern.

Expansion im Osten

In Rumänien, wo Russ vor zwei Jahren eingestiegen ist, betreibt er aktuell drei Tageszeitungen. "Und wir werden in Rumänien sicher noch weitere Schritte setzen", kündigte er bereits an.

Den Standort Österreich per se bewertet Russ trotzdem immer noch als attraktiv. Die unternehmerische Freiheit beispielsweise sei hier zu Lande ungleich größer als in Deutschland, der Schweiz oder Frankreich. (APA/DER STANDARD; Printausgabe, 23.10.2003)

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