Countdown für Böhler läuft

26. Oktober 2003, 20:11
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Bis spätestens März sollen alle Staatsanteile an dem Edelstahlkonzern an die Börse gebracht werden

Wien - ÖIAG-Aufsichtsratspräsident Alfred Heinzel erwartet gegen die Böhler-Privatisierung keinen Widerstand nach dem Vorbild der Voestalpine. "Erstens ist Böhler viel kleiner als die Voest und zweitens sind keine Wahlen", sagte Heinzel am Mittwoch zum STANDARD. Außerdem wecke Böhler nicht solche Emotionen wie die Voest in Oberösterreich.

Details zur Transaktion, etwa, ob Privatisierungsausschuss und Aufsichtsrat den Verkauf des 25-Prozent-Staatsanteils in der außerordentlichen Sitzung am 4. November bereits beschließen werden, wollte der ÖIAG-Präsident nicht sagen. Er bestätigte aber, dass Böhler-Uddeholm auf der Tagesordnung stehe und der ÖIAG-Vorstand sein Privatisierungskonzept präsentieren werde. Und: Die Privatisierung solle entweder noch heuer oder im ersten Quartal 2004 durchgeführt werden.

Insidern zufolge ist der Deal jedoch bereits fix, in drei Wochen erfolge nur mehr der offizielle "Sanktus" des Kontrollgremiums - DER STANDARD berichtete. "Rund um den 21. November" soll der Preis festgesetzt werden. "Spielraum", heißt es in gut informierten Kreisen weiter, gebe es lediglich hinsichtlich eines Angebots für Privatanleger.

Jeder kann jederzeit kaufen

Da der Verkaufspreis aber in der Größenordnung des aktuellen Börsenkurses (rund 47 Euro) erwartet wird, bräuchte es eigentlich kein extra Retailangebot. Jeder Anleger könne ohnehin über die Börse kaufen, und die Gesellschaft würde sich eine aufwändige Werbekampagne ersparen. Abgewickelt wird der Böhler-Verkauf von Morgan Stanley und CA IB.

Ein Kaufinteressent ist dem Weltmarktführer bei Werkzeugstahl sicher: die Wiener Städtische Allgemeine Versicherung. Wenn der Preis stimmt, will sie ihr derzeit rund vierprozentiges Böhler-Aktienpaket verdoppeln. Städtische-Generaldirektor Herbert Geyer kann sich eine Aufstockung des Anteils "in Richtung zehn Prozent" vorstellen. Es gelte aber abzuwarten, welche Bedingungen seitens der ÖIAG gestellt würden und welcher Preis für die Aktien verlangt werde. "Wir werden aber sicherlich konstruktiv vorgehen", sagte Geyer. Die Städtische wolle damit ihre Position als strategischer Investor bei Industrieunternehmen ausbauen. Bei der Voestalpine habe man den Anteil im September von zwei auf rund vier Prozent erhöht, so Geyer.

Keine Chancen gibt man sowohl bei der ÖIAG als auch beim größten Böhler-Aktionär, der Investorengruppe des Badener Rechtsanwalts Rudolf Fries (hält knapp 27 Prozent, Anm.) den Bestrebungen der steirischen SPÖ, das staatliche Böhler-Paket in steirischen Landesbesitz zu bekommen.

Hält der Zeitplan der ÖIAG, wäre der Staatsanteil am österreichisch-schwedischen Edelstahlerzeuger also in fünf Wochen endgültig Geschichte. (DER STANDARD Printausgabe, 23.10.2003 ung, cr)

  • Nach der Vöstalpine ist jetzt der Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm dran. Der Staat will seine 25 Prozent möglichst schnell los werden.
    foto: boehler-uddeholm

    Nach der Vöstalpine ist jetzt der Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm dran. Der Staat will seine 25 Prozent möglichst schnell los werden.

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